Aktuell läuft der Prozess gegen den ukrainischen Regisseur Oleg Sentsow, der auf der Krim lebt und derzeit in Rostow vor einem russischen Militärgericht wegen Terrorismus unter Anklage steht.

Der Vorwurf des Gerichtes wirkt konstruiert. Belastungszeugen sind zwei Männer, die bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt wurden. Sentsow selbst berichtet, bei einer ersten Festnahme im Mai 2014 gefoltert worden zu sein (Plastiktüte über den Kopf, Würgen, Drohung mit Vergewaltigung und Tötung).

Das Gericht in Rostow behauptet, diese Vorwürfe seien haltlos, Ermittlungen diesbezüglich gibt es nicht bekannt.

Das Strickmuster, nach dem russische Gerichte politische Gegner der Regierung Putin in die Mangel nehmen, wiederholt sich auch bei dem talentierten Regisseur, der bereits mehrfach auf Festivals Anerkennung erfahren hat. Unter anderem setzte sich Wim Wenders und andere Regiegrößen für ihn ein, indem sie einen Brief an Wladimir Putin schickten. Der Brief mit der Bitte um Freilassung wurde nie beantwortet.

Man kann über den russischen Präsidenten sagen, was man will. Aktuell lebt er ungeniert mit seinem Ruf als Diktator und bemüht sich gar nicht mehr um eine demokratische und rechtsstaatliche Maske.

Es ist die Frage, wie Russland in einem oder zwei Jahren mit kritischen Künstlern umgeht, zu befürchten ist, dass jedes kritische Klima auch in der russischen Kunst erstickt werden wird.

Bitter, dass alles zu erkennen, wenn man vor Jahren noch auf Russland als Gegengewicht zum amerikanischen Imperialismus gesetzt hat. Aktuell ist Russland, so wie es aussieht sowohl für die Demokratie, als auch einen gewissenhaften Rechtsstaat und leider auch für die Kunst verloren.