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Spärliche Reste der Trauer auf der Promenade in Nizza (Foto Gedächtnisbüro 2016)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Nizza scheint nach dem Anschlag nicht mehr zu trauern. Die muslimischen Nizzarden wirken mürrisch und gereizt.

Als wir uns am letzten Montag nach Nizza aufmachten, hatten wir gemischte Erwartungen. Der Urlaub war längst geplant vom Anschlag auf der Promenade d´Anglais wollten wir uns nicht abbringen lassen. Nizza ist seit Jahren unsere Lieblingsstadt, wenn wir einfach mal ein paar Tage ausspannen wollen.

Kaum Kontrollen von und nach Nizza

Wir hatten mit verschärften Kontrollen am Flughafen bei der Einreise gerechnet. Es gab aber keine Kontrollen. Von Berlin nach Nizza kommt man völlig unbehelligt, auch, wenn man die laschen Kontrollen am Berliner Flughafen Schönefeld mit einbezieht, bei denen sich lediglich die Mitarbeiter der Fluggesellschaft den Ausweis zeigen ließen.

Umgekehrt läuft es genauso. Von Nizza nach Berlin scheint es auch keine Kontrollen zu geben, wobei wir natürlich nicht wissen, ob irgendeine Polizeibehörde die Fluggastlisten kontrolliert, vorstellbar wäre es, wahrscheinlich aber nicht.

Auf den ersten Blick erschien uns Nizza nach dem Anschlag vom 14.7.2016 unverändert. Wir fuhren mit dem Bus ins Zentrum und wanderten zu unserem Hotel. Nur auf der Promenade gab es eine Patrouille von drei bis vier schwer bewaffneten Soldaten, die Sicherheit signalisieren sollten. Ansonsten alles unverändert.

In unserem Hotel gab es einen familiären und sehr freundlichen Empfang und wir fühlten uns sofort wohl. Am ersten Abend aßen wir in einer Pizzeria, die von einem Libanesen geführt wird und waren sehr zufrieden. Er witzelte herum, typische Machoallüren, ein bisschen Scheinkonkurrenz um die Gunst meiner Frau und am Ende allseitiges Grinsen. Die Pizza war sehr gut, das Restaurant könnten wir weiter empfehlen, behalten es aber als Geheimtip für uns.

Im Ganzen aber wirkte die Atmosphäre in der Stadt ernster und etwas gereizt. Obwohl „business as usual“ lief, war die typisch südfranzösische Gereiztheit gegenüber Touristen etwas mehr zu spüren, als sonst.  Ich meine, dass ich dabei von den eingewanderten, muslimischen Franzosen im Schnitt deutlich unfreundlicher behandelt wurde, als sonst. Sie tendierten zur Machtkommunikation, wandten sich sofort ab, wenn man sich nicht sofort für ein Brötchen entscheiden konnte oder wirkten betont desinteressiert, egal ob sie im Bahnhof am Infoschalter saßen oder uns einen Roller vermieten sollten. Zwar funktionierte alles, aber mit einem unfreundlichen Pokerface, das hatte ich aus den letzten Jahren etwas anders in Erinnerung.

Öffentliche Trauer in Nizza? Fehlanzeige!

Ein wenig schockiert waren wir darüber, wie die Stadt, etwas mehr als einen Monat nach dem Anschlag, mit dem Gedenken an die Opfer umging. Wir hatten ein Blumenmeer an der Promenade erwartet und fanden nur noch ein paar ausgebrannte Kerzen, gesäumt von Zigaretten-Kippen. Würdelos wirkte das, wenn man sich klar macht, dass an diesem Ort fast einhundert Menschen getötet wurden. Es gab einen halben Quadratmeter auf dem gesamten Abschnitt des Terrors, auf dem ein Vater um seine Familie trauerte, eine Ahnung von dem riesigen Schmerz, der hier durch einen Islamisten verursacht wurde.

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“Meine kleinen Engel” – Trauer um die eigenen Kinder, die am 14.7.2016 von einem Islamisten getötet wurden (Foto: Gedächtnisbüro 2016)

Obwohl wir überall gut verstanden wurden, was tatsächlich an unseren Französisch-Kenntnissen lag und nicht so sehr an der Bereitschaft, auf uns einzugehen, war der Ton eher rau und da fielen die Franzosen mit erkennbarer Herkunft aus den Maghreb-Staaten eher unangenehm auf. Die meisten anderen Franzosen blieben freundlich, manchmal distanziert.

Über diese Unfreundlichkeit in dem sonst so entgegenkommenden Nizza kann man denken, was man will. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht hängt es tatsächlich mit dem Terroranschlag zusammen, der größtenteils Touristen das Leben kostete. Vielleicht kann man hinter einem unfreundlichen Gesicht seine Trauer besser verstecken. Vielleicht will man aber auch gar nicht trauern?

Seit dem Anschlag in Nizza scheint es vor allem muslimische Opfer zu geben

In den französischen Reportagen, die man nach dem Anschlag zu sehen bekam, äußerten sich die Befragten, die Muslime waren, weitgehend gleich. „Warum fragen sie uns? Wir haben damit nichts zu tun! Das war ein Verrückter. Der Islam steht für Frieden.“

Man bekommt ein wenig den Eindruck, dass sich die befragten Muslime den islamistischen Terror am wenigsten erklären können – oder wollen.

Deutsche Muslime verstecken sich ebenfalls in Opferrolle

Als politische Taktik gibt es diese Art der fehlenden Zuständigkeit übrigens auch. Sie wird vom Zentralverband der Muslime in Deutschland bis zur Perfektion zelebriert. Immer dann, wenn es in den muslimischen Gemeinden zu staatsfeindlichen und islamistischen Eruptionen kommt, wie zuletzt bei der türkischen Massendemonstration in Köln für Erdogan und somit ganz offensichtlich gegen (und nicht für) Demokratie, duckt sich der Zentralverband weg.  In der übrigen Zeit inszeniert man sich als Opfer des Rassismus, wohlwissend, dass der Verband hinter den Kulissen ein massives Problem mit Rassismus gegen Deutsche in den eigenen Reihen hat. Auch die türkischen Hassprediger, die vom Religionsministerium in Ankara bezahlt werden, blendet man dabei geschickt aus.

Am Ende bleibt auch hier in Deutschland eine zweifelhafte Bevölkerungsgruppe, deren massive Ressentiments gegen die deutsche Gesellschaft erst dann öffentlich rausgelassen werden, wenn man die ersehnte Bevölkerungsmehrheit in Deutschland stellt. Bekannt sind die typischen muslimischen Ressentiments gegen Deutschland aber trotzdem. Die Deutschen seien gesellschaftlich verwahrlost (Toleranz als Verwahrlosung), moralisch tief stehend (gemeint ist die sexuelle Freizügigkeit), ungläubig und das schlimmste ist: Sie haben keinen Führer, dem sie folgen können. So ganz anders, als bei den Türken! Die sich neben geschickter Unterwanderung unserer Bildungseinrichtungen und der islamischen Communities, ganz darauf verlegt haben, jede Kritik an ihrer Volksgruppe als Rassismus zu brandmarken.