Skripal täter

Die mutmaßlichen Täter wurden nun mit dem Bild einer Überwachungskamera an die Öffentlichkeit gebracht. GRU-Agenten? Vieles spricht dagegen. Der Fall bleibt mysteriös.

In den letzten siebzig Jahren seit dem zweiten Weltkrieg fällt es ausgesprochen schwer, einen Fall zu finden, wie den der Skripals. Selbst der Fall des ermordeten ehemaligen russischen Agenten Litwinko hat nicht annähernd die diplomatischen und öffentlichen Verwicklungen verursacht, wie die Vergiftung des EX-GRU-Agenten Skripal und seiner Tochter mit Novichok.

Besonders befremdlich ist, neben dem Attentat selbst, das unaufgeklärt bleibt, der exzessive Missbrauch von Ermittlungsergebnissen der britischen Politzei durch die Regierung May.

Egal, was die Polizei bisher ermittelte. Für Theresa May war es jedes Mal ein Beweis dafür, dass der Kreml hinter dem Attentat stecke, wie von der Regierung bereits unmittelbar nach dem Attentat offiziell behauptet wurde.

Man hat tatsächlich den Eindruck, dass die Ermittlungen der britischen Anti-Terror-Polizei nur in diese Richtung gehen können und dürfen.

Aktuell wurden nun die Fahndungsfotos von zwei angeblichen GRU-Agenten veröffentlicht, die jeweils unter Pseudonymen in Großbritannien eingereist sein sollen und das Attentat begangen haben sollen.

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Wenn die Agenten bekannt sind, warum wird nicht mit deren bekanntem Namen nach ihnen gefahndet, sondern mit den offensichtlich falschen Pseudonymen?

Die Frage, wie man Agenten identifiziert und dann deren Namen oder verschiedene Decknamen nicht weiß, bleibt unbeantwortet. Alexander Petrow und Ruslan Boschirow sind ja nicht als GRU-Agenten bekannt, also wie, konnte die britische Polizei sie identifzieren?

Der Kreml dementiert mühelos und könne weder mit den Gesichtern noch mit den Namen etwas anfangen.

Der zweite Vergiftungsfall in Salisbury ist ebenfalls nicht aufgeklärt

Geradezu grotesk wirkt dagegen die scheinbare Aufklärung der Vergiftung von Charlie Rowley und Dawn Sturgess. Letztere verstarb an der Vergiftung mit den Nervenkampfstoff, der in einer Parfumflasche der Marke Nina Ricci gewesen sein soll. Bis hierhin war es soweit vorstellbar. Allerdings ist es vollkommen unvorstellbar, dass Charlie Rowley seiner Freundin Dawn Sturgess eine Parfumflasche schenkt, die über drei Monate in einem öffentlichen Park gelegen haben muss.

Wer so etwas noch als Parfumflasche identifizieren kann, hat einen Hang zum Müll. Eine Frau aber, die sich den Inhalt einer derartig verdreckten und verwitterten Flasche auf die Haut sprüht, dürfte aber auch nicht ganz normal sein. Die Version wirkt derartig unglaubwürdig und ist mit derartig vielen Zufällen gespickt (warum entdeckt Rowley die Flasche ausgerechnet erst nach drei Monaten im Park und niemand anderes vor ihm? Warum wirft ein Täter die Flasche in den Park und nicht einfach in den Müll?)

Dawn Sturgess habe die Substanz in der Flasche, die laut Angaben des Freundes ölig und geruchlos gewesen sei, auf ihre Handgelenk gerieben, während Rowley, der auch mit der Substanz in Kontakt gekommen war, sich gleich darauf die Finger gewaschen hätte.

Warum? Eine geruchslose Substanz! Die ersten Symptome traten bei Sturgess eine viertel Stunde später auf, bei Rowley aber mehrere Stunden später.

Warum benutzt der professionelle militärische Abwehrdienst Russlands, GRU, ausgerechnet einen Zerstäuber, um ein hochgiftiges Nervengas zu applizieren? Ein Zerstäuber birgt erhebliche Risiken für den Täter, weil das entstehende Aerosol sich überall verteilen kann. Warum braucht es bei dieser hochgiftigen Novichok-Charge mehrere Stunden, bis Rowley Symptome entwickelt, warum bekommt Sturgess erst nach 15 Minuten die ersten Symptome und warum haben bei den Skripals dagegen minimale Spuren der Substanz an der Türklinke ihres Hauses ausgereicht, beide so schwer zu vergiften? Warum benutzt ein professioneller Geheimdienst eine Substanz, die nach 2 Minuten zum Tode führen soll, in solch einer Verdünnung, dass von vier vergifteten Personen, nur eine stirbt und zwar nicht nach 2 Minuten, sondern nach Tagen? Warum wird behauptet, dass diese Substanz reines und hochgiftiges Novichok gewesen sei, wenn die Wirkung doch so unzuverlässig und verzögert auftrat?

OPCW bestätigt Identität des Novichoks

Die Organisation zum Schutz vor Chemiewaffen hat bestätigt, dass die zweite Probe aus Salisbury, mit der das Paar sich vergiftet hatte, identisch mit der ersten Probe war, mit der Skripal und seine Tochter vergiftet wurden.

Was bedeutet hier identisch? Gleicher Kampfstoff, gleiche Charge? Novichok gibt es in mindestens zwei Duzend verschiedenen Zusammensetzungen. War die Zusammensetzung gemeint, oder die Charge oder nur der Oberbegriff des Kampfstoffes?

Es finden sich keine Veröffentlichungen, die hier Aufschluss über den Begriff der Probenidentität geben.

Wenn die Probe tatsächlich im eigentlichen Sinne identisch war, stellen sich vollkommen neue Fragen, warum ein so brisanter Stoff in seiner Parfumverpackung im Park herumliegt?

GRU oder Terroranschlag aus einer ganz anderen Richtung? Was im Park rumliegt und zum parfümieren einlädt, soll doch wahrscheinlich eben dazu animieren-oder? Ein wahlloser Anschlag, der nicht gezielt war, aber eben doch ein Anschlag, wäre die wahrscheinlichste Erklärung für die beiden Opfer aus Amesbury. Es hat also sehr viel wahrscheinlicher jemand diese Flasche ausgelegt, um Leute zu töten und zwar wahllos.

Der Fall bleibt mysteriös und die britische Regierung steht zunehmend in Verdacht, die Ermittlungsergebnisse auf Russland hin zu frisieren, ohne wirkliches Interesse, den Fall wirklich aufzuklären.

Wir warten also auf einen neuen Vergiftungsfall:

Novichok – die Dritte!