salisbury

Das Paar hielt sich im Lizzy-Garden (Queen Elisabeth) auf, sonnte sich und nahm Drinks ein, einige Stunden später war zunächst die Frau und dann der Mann beatmungspflichtig erkrankt

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Großbritannien ist möglicherweise nicht an einer echten Aufklärung des neuen Vergiftungsfalles mit Novichok interessiert. (Mit Aktualisierung vom 22.07.2018)

Der erneute Vergiftungsfall in der Nähe von Salisbury, der wahrscheinlich auf Novichok zurückgeht, trifft zwei Unbekannte. Ein Mann und eine Frau, wurden ganz offensichtlich mit dem Gift kontaminiert, wobei Spezialisten davon ausgehen, dass es sich hier um einen neuen Anschlag handeln muss, da das Nervengift im Prinzip sehr instabil sei. Eine Kontamination mit der alten Charge, die bei den Skripals angewendet wurde, sei unwahrscheinlich.

Wenn sich der Novichok-Verdacht bei dem Paar erhärtet, gibt es eigentlich nur zwei Verbindungen zu dem Fall im März. Das Attentat wurde in Salisbury ausgeführt und Opfer waren ein Mann und eine Frau.

So man will, kann man noch die Verbindung sehen, dass das erste Attentat vor der Fußball WM in Russland ausgeführt wurden und das aktuelle Attenat mitten während der WM.

Es sind also neue Überlegungen anzustellen.

Handelt es sich möglicherweise doch um Terroranschläge oder aber die um die Tat eines Serientäters, der sich in der Region um Salisbury aufhält?

Die letzte Hypothese macht deshalb Sinn, weil an Salisbury eigentlich nur eines besonders ist. Die Nähe zu dem Chemiewaffenlabor der Briten. Könnte von hier etwas gekommen sein?

Es wäre schließlich auch denkbar, dass sich jemand mit Zugriff auf die Chemikalien und den entsprechenden Kenntnissen, als Serienkiller entpuppt. An eine Geheimdienstoperation denkt jedenfalls bei dem neuen Opfer-Paar niemand mehr.

Das Muster, dass ein Mann und eine Frau in beiden Fällen Opfer sind, könnte psychopathische Merkmale offenbaren. Das bleibt abzuwarten.

Was jetzt allerdings durch die Medien sickert wirkt eher wie eine englische Schutzbehauptung, als wie ein realistisches Ermittlungsergebnis. Die beiden jüngsten Opfer in Amesbury seien beide Drogennutzer gewesen und wären vermutlich versehentlich an einen Behälter mit dem Novichok gekommen?

Die neuesten Berichte weisen darauf hin, dass das Gift möglicherweise an einer Sonnenbrille haftete, welche das Paar gefunden hat. Eine Überwachungskamera habe die bereits verstorbene Dawn Sturges in einem Kiosk gezeigt, in dem sie die Sonnebrille bereits trug. Möglicherweise hätten die beiden die Brille im Park gefunden, fünf Minuten entfernt von der Stelle, an der auch die beiden Skripals bewusstlos aufgefunden worden seien.

Das Szenario wirkt nach all den intensiven Ermittlungen, die nach dem Fall Skripal angestellt wurden (umfangreiche Suche und Sicherstellung von Gegenständen der Skripals) arg konstruiert. Die Idee, dass ein Behälter oder kontaminierte Gegenstände einfach so in der Öffentlichkeit liegen gelassen werden, spricht eher gegen eine geheimdienstliche Aktion.

Freunde hätten das Paar auf der Rückfahrt von Salesbury im Bus getroffen und Dawn Sturges habe ihnen gesagt, dass sie eine neue Sonnenbrille gefunden habe. Auch ziemlich seltsam, wenn man bedenkt, dass eine tödlich kontaminierte Sonnenbrille monatelang (seit März) einfach irgendwo herumliegt und dann direkt von jemandem auf die Nase gesetzt wird?

Viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen neuen Anschlag handelt, der dieses Mal Privatpersonen getroffen hat.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass der russische Geheimdienst diesen Anschlag als Versuch einer Vertuschung inszeniert hat, aber wahrscheinlich ist das nicht.

Bekannt ist leider auch nicht, welches Novichok (es gibt diverse Substanzen) bei den Skripals und im neuen Fall vor wenigen Tagen angewendet wurde. Von dieser Aussage hängt vor allem die Frage der Stabilität der Substanz ab. Es gibt tatsächlich Novichok Nervengifte, die sich sehr lange halten, aber auch solche, die nach Tagen wieder verfallen.

Viele Anzeichen sprechen dafür, dass es sich um das Novichok A-232 handelte, von dem man bisher annimmt, dass es das stärkste und auch haltbarste Nervengift der Novichok-Reihe ist. Die Frage ist nur, ob dies zweifelsfrei nachgewiesen ist. Der Nachweis ist nämlich äußerst schwierig!

Schließlich bleibt als neuerliche und zugleich alte Auffälligkeit die unmittelbare Nähe des britischen Chemiewaffenlabors, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Sollte es hier tatsächlich, nach zwei Vergiftungsfällen, keinen Zusammenhang geben?

Jedenfalls ist ein neuerlicher Anschlag viel wahrscheinlicher, als die Kontamination mit einer weggeworfenen Substanz. Möglicherweise war die Sonnenbrille eine Falle, die der Täter direkt vor den Augen der Opfer aufgestellt hat?

Vielleicht wird es ja in diesem Jahr noch einen dritten Vergiftungsfall geben, bei dem ein Mann und eine Frau betroffen sind. Wenn dann immernoch der russische Geheimdienst verdächtigt wird, fängt die Sache an zu stinken, wie uralter Fisch!

Inzwischen hat die britische Polizei eine Timeline veröffentlicht, die es unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass die beiden Opfer in Salisbury mit dem Kampfstoff in Kontakt gekommen sind. Bei der verstorbenen Dawn Sturgess traten erst 12 Stunden später die ersten Vergiftungssymptome auf, am nächsten Tag also. Dann aber sehr heftig. Bei ihrem Freund dauerte es noch ca. 5 Stunden länger, bis er Vergiftungserscheinungen zeigte. Wenn die Ursache ein Objekt aus Salisbury gewesen ist, muss es noch in der Wohnung in Amesbury zu finden sein.

Allerdings ein Objekt, das erst kurz vor der ersten Symptomatik die Opfer kontaminiert hat, denn die ersten Symptome treten bereits 30 Sekunden bis 2 Minuten nach Kontakt mit dem Gift auf. Es könnte sich um eine Flasche handeln, die erst am nächsten morgen geöffnet wurde und bei der sich Sturgess zuerst bedient hat.

Bei einer Flasche, die zuvor gekauft wurde, wäre die Wahrscheinlichkeit eines gezielten Anschlages sehr gering. Dann handelt es sich doch um einen Täter, der seine Opfer eher wahllos aussucht.

Auch wegen der geringen Bekanntheit des Giftes bleibt der Fall sehr unklar.

Aktualisierung vom 22.7.2018

Inzwischen ist viel geschrieben worden, wenn auch wenig plausibles. Eine kleine Flasche (etwa Parfurmformat) soll das Gift enthalten haben. Dawn Sturges, die an der Vergiftung starb, soll diese an sich gebracht haben (wie auch immer).  Ihr Partner Charly Rowley soll sich kontaminiert haben, als der Flasche versehentlich zerbrach.

Die Geschichte wird immer abenteuerlicher!

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass das Paar eine kleine Flasche Novitschock, möglicherweise getarnt als Parfum, zufällig findet und ganz offensichtlich (die verstorbene Sturges) auch benutzt.

Der Partner des Opfers wird selbst Opfer, als er die Flasche zerbricht, erkennt aber keinen Zusammenhang mit seinen Symptomen ( die eigentlich innerhalb von Sekunden und Minuten auftreten sollten). Er überlebt den Kontakt mit dem hochtoxischen Nervengift, obwohl in diesem Fläschchen ja einiges an Nowitschock gewesen sein muss.

Die Verbindung zum Fall Skripal (wo die Polizei behauptet, jetzt die russischen Täter mit einer Überwachungskamera und dank der Visa, identifiziert zu haben) ist derart konstruiert, dass es sich möglicherweise um Reste des Giftes handelt, das im Fall Skripal zum Einsatz kam. Die Identität der Charge ist bisher nicht bestätigt. Die OPCW (Organization for  the Prohibition of Chemical Weapons) ist involviert.

Da man davon ausgeht, dass die Türklinke im Fall Skripal mit dem Gift kontaminiert wurde, passt die Parfumflasche oberflächlich betrachtet dazu. Die Tatsache, dass es für jeden lebensgefährlich ist, einen “Nowitschock-Zerstäuber” zu benutzen, der bekanntlich ein Aerosol ausstößt, passt wiederum überhaupt nicht zu dem derzeit verbreiteten Narrativ.

Am Ende glaubt man nicht daran und denkt, dass es sich nur um zwei getrennte Fälle handeln kann. Das Ergebnis der Chargenprüfung könnte also interessant werden.