Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro-Berlin

Der Pädophilie-Skandal  der Grünen ist mindestens so bedeutsam, wie der der katholischen Kirche.

Man kann gern über den Begriff Pädophilie streiten, darüber nachdenken, ob es sich um Veranlagungen handelt, für welche die Betroffenen nicht können, auch darüber, dass mit Pädophilie häufig Pädosexualität gemeint ist, welche sehr unterschiedliche Gründe haben kann und mit einer pädophilen Veranlagung bei Tätern gar nicht immer etwas zu tun hat.

Über eines aber kann man nicht streiten, dass dies in beiden Institutionen lange lässlich gehandhabt wurde und die Täter zumindest bei den Grünen sogar die Chance hatten, ihre strafbaren Handlungen zu politisieren, bzw für Straffreiheit zu kämpfen. So weit ging die katholische Kirche ja nie, aber die Opfer der katholischen Pädosexualität sind bis heute nicht anerkannt und nicht entschädigt.

Besonders perfide wirkt, dass bei den Grünen jahrelang schwule Arbeitsgemeinschaften Unterschlupf und Agierfeld für überzeugte Sexualstraftäter boten. Diese Arbeitsgruppen wurden auch nicht empört bekämpft, sondern versickerten einfach irgendwann. Bis in die neunziger Jahre hinein hatten die Grünen mit diesen kriminellen, politischen Spielwiesen zu tun, aus denen heraus wahrscheinlich auch diverse sexuelle Straftaten begangen wurden, wie es ein neuer Bericht nahelegt. Von hunderten Opfern war die Rede, die bisher aber nicht bestätigt wurden.

Verdammt unangenehm auch für die engagierten Schwulen in der Partei, die sich mit ihrer Arbeitsgruppe offensichtlich jahrelang nicht deutlich von den pädosexuellen Überzeugungstätern abgegrenzt haben. Sicher gibt es dieses Feld der Überschneidungen zwischen Homosexualität und Pädosexualität bzw. Pädophilie. Aber diese Schnittmenge scheint klein zu sein. Die Hauptgemeinsamkeit war vermutlich der Kampf für die eigene sexuelle Identität in dem Schwule sich in sehr falscher und unreflektierter Art und Weise mit Pädosexuellen solidarisch gefühlt haben mögen.

Ein Skandal von gestern?

Ja, vermutlich. Man kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass es heute noch Grüne gibt, die immer noch auf die Legalität von pädosexuellen Handlungen hinarbeiten.

Allerdings bekommt man auch heute noch massiv Gegenwind aus der gesamten linken Szene, wenn man die fein ziselierten Abstufungen zwischen guter und böser Pädophilie übergeht oder gar jene mit dem Begriff der Pädosexualität vermischt. Die linke Szene in Deutschland, aber auch die Grünen haben immer noch keinen Strich gezogen, mit der sie sich klar von sexuellen Straftätern abgrenzt, egal aus welcher Veranlagung und Motivation sie Kinder missbrauchen. Es gibt dort immer noch den guten Pädophilen, der wacker gegen seine Veranlagung ankämpft und einfach manchmal nicht mehr kann und sich dann doch an Kindern vergreift. Den bösen Pädophilen gibt es in dieser Szene gar nicht, der wird dann pädosexuell genannt. Meist sind das böse Hetero-Männer, die sich mangels anderer Gelegenheiten eben auch an Kindern vergehen. Ein klares Feindbild für diese Szene, die inzwischen weiblich dominiert ist, ganz im Unterschied zu den achtziger und neunziger Jahren.

Die Pädophilie hat also auch in den Köpfen der Linken und weit über die Grünen hinaus einen gewissen Heiligenschein, manchmal sogar einen gesellschaftlichen Opferstatus bekommen. Vermutlich das späte Ergebnis jahrelanger aggressiver Agitation in den linken Parteien für Pädophilie.

Es scheint also, dass das Problem der Grünen und großer Teile der traditionellen Linken mit der Ächtung von pädophilen Handlungen immer noch größer ist, als zugegeben wird. Man versteckt sich gern hinter dem braven Pädophilen, der ja die Problematik seiner Leidenschaft versteht und sich beherrschen will und den man auf keinen Fall stigmatisieren darf.  Er könnte dann ja abtauchen und kriminell werden – sexuell kriminell.

Wie auch immer. Wenn Täter zu Opfern stilisiert werden und das ist in der deutschen Pädophilie-Debatte zumindest im linken Lager immer wieder der Fall, fragt man sich, wo die wirklichen Opfer, die Kinder, bleiben. Auch diese Frage wird in aller Regel mit wütenden und hasserfüllten Gegenangriffen pariert. Solange das so ist, darf man eigentlich niemandem trauen, weder den Grünen noch den traditionellen Linken, die sich derzeit in allen möglichen politischen Ecken befinden, aber ihre Dogmen trotzdem nie modifiziert haben.

Man sollte denen so wenig trauen, wie der katholischen Kirche. Schon gar nicht, solange der Missbrauch von Kindern ein internationales Milliardengeschäft ist. Denn wie wir wissen weilen die Kunden dieser Art der Pornografie unter uns, natürlich auch und gerade Pädophile!