Sönke Paulsen Gedächtnisbüro-Berlin

Die SPD-Spitze scheint absolut entschlossen zu sein, die politische Existenz ihres verdienten Mitgliedes Sebastian Edathy komplett auszulöschen.

Die Spaltung und Doppelbödigkeit, die in dieser radikalen Haltung zu dem langjährigen Parteimitglied und brillanten Leister des NSU-Untersuchungsausschusses steckt scheint dabei äußerst vielschichtig zu sein.

Denn einerseits steht der Verdacht weiter im Raum, man habe Edathy anfangs geschützt und sogar von den laufenden Ermittlungen gegen ihn wissen lassen, andererseits soll dieser Verdacht nun durch eine radikale politische Vernichtungsaktion zerstreut werden.

Einerseits geht dieses scharfe und fast verbissene Vorgehen gegen Edathy vom linken Flügel der Partei aus, die im Vorstand durchaus auch mit Gabriel einen wohlwollenden Sympathisanten hat, andererseits sind gerade die Linken auch in der SPD äußerst empfindlich, wenn man Pädophile öffentlich angreift und schnell bereit, sie als Opfer ihrer eigenen Veranlagung zu akzeptieren. Eine gemeinsame Geschichte mit dem Grünen, die gerade ihren Pädophilen-Skandal haben, könnte eventuell noch geschrieben werden und das fürchtet die Parteispitze möglicherweise.

Einerseits ist man vor unverfrorenen Rasse-Theoretikern wie Thilo Sarrazin eingeknickt, andererseits will man gut angepasste Parteimitglieder um jeden Preis herausschmeißen, weil im Falle Edathys die öffentliche Meinung wesentlich härter zugeschlagen hat, als bei Sarrazin, der heute noch etliche Sympathisanten hat. Der Schaden, den Edathy für die Partei angerichtet hat, liegt also letztlich in der falschen Verfehlung, Bildmaterial im Vorfeld der Kinderpornografie heruntergeladen zu haben und nicht, wie Sarrazin die fehlende Integrierbarkeit von Bürgern moslemischen Glaubens in unserem Land, im weitesten Sinne rassisch zu begründen.

Schließlich hat man den Eindruck, dass der Vorstand sich nun einfach Respekt verschaffen will, da das Bezirksgremium Edathy nicht wirklich ausgeschlossen hat, wie es damals in Berlin auch im Falle Sarrazins eine „Richtigstellung“ akzeptiert hat, die dem Vorstand eigentlich nicht reichte. Kurz es soll endlich klar sein, dass der rausfliegen muss, den die Parteispitze loswerden will.

Im Falle Edathys ist es so, dass dieser bereits seine gesamte politische Karriere verloren hat, wegen des Verdachtes, Kinderpornografie zu konsumieren, aber eben nur wegen des Verdachtes. Nun soll er wegen eben dieses Verdachtes auch seine politische Heimat verlieren. (Nicht ganz rechtsstaatliches Denken, könnte man meinen, aber nicht für die Parteispitze der SPD.)

Die Generalsekretärin verstieg sich kürzlich sogar zu dieser Äußerung:

“Das Ausmaß seines Zynismus’ – auch mit Blick auf seine Parteimitgliedschaft – wird für uns langsam unerträglich.”

Zynismus seitens des Herren Edathy?

Oder vielmehr Zynismus der Parteispitze?

Vielleicht sogar eine Art basaler Zynismus der SPD-Linken überhaupt?

Man darf nachdenken – wenn man will.