Screenshot Sputnik

Screenshot Sputnik News 2015

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Wer es leid ist, die sozialen Medien nach neuen Informationen über den Verlauf des Ukraine-Konfliktes abzusuchen, weil die großen Medien lediglich kurze Pressemitteilungen ohne große Aussagekraft veröffentlichen, kann es ja mal bei dem deutschsprachigen Kreml-Medium Sputnik News versuchen.

Die Seite ist sehr übersichtlich gestaltet und veröffentlicht überwiegend kurze Artikel, die es allerdings teilweise „in sich haben“.

Neben einer Auswahl tendenziös wirkender Kommentare zum Weltgeschehen, bei denen die Amerikaner natürlich immer die Verlierer (Obama gibt Syrien an Russland preis) oder die Bösen (USA wollen mit Hilfe von IS Assad stürzen) sind und einigen Artikeln, die verhaltenen Stolz auf die russische Rolle in der Welt (Papst will mit Putin über Syrien und Flüchtlinge reden) signalisieren, gibt es aber auch echte Perlen!

Ein aktueller Artikel vom 2.9.2015 beschäftigt sich beispielsweise mit dem stillen Machtkampf, der im Donezbecken stattfinden und verwendet dabei ganz offensichtlich Insiderinformationen (Ende des Donbass-Konfliktes in greifbarer Nähe?) Dabei wird das Dreieck zwischen dem Donezker Parlamentspräsidenten Purgin, seinem Stellvertreter Puschilin und dem Kreml recht schön angedeutet und die Absetzung Purgins als Signal einer friedlichen Annäherung an Kiew im Rahmen eines neuen Minsker Vertrages interpretiert, welches von Kiew nicht nur registriert, sondern auch begrüßt wurde. Zumindest lässt sich dieser Artikel in dieser Weise interpretieren, wenn man bedenkt, wie oft Moskau führende Köpfe der Donezker Republik allein im letzten Jahr abberufen hat (man denke an Strelkow).

Sputnik News ist also ein durchaus interessantes Medium, dass sich vor allem sehr übersichtlich und unideologisch gibt, wenn man die grundsätzliche Tendenz eines russischen Staatsmediums einmal außer Acht lässt.

Die russische Propaganda hat also deutlich dazugelernt und gibt sich wesentlich moderater und informativer, als bisher. Außerdem profitiert der Leser eindeutig von Hintergrundinformationen russischer Dienste (USA verlegen „uralte“ Bomber nach Europa), die bei uns entweder nicht recherchiert oder einfach von den Medien weggefiltert werden. So werden beispielsweise kritische Positionen der Partei „Die Linke“ zum derzeit beherrschenden Thema der Flüchtlingskrise fair kolportiert, die man in unseren großen Medien bestenfalls in Form einer „Wutpresse“ präsentiert bekommt (Wagenknecht: Blutige US-Kriege sind Auslöser der Flüchtlingskrise).

Auch wenn es sich bei Sputnik-News um ein gesteuertes russisches Internet-Medium handelt, stellt es eine Bereicherung für unsere Medienlandschaft dar. Die Redakteure dort haben zumindest verstanden, dass in der Gegenöffentlichkeit eine Lücke entstanden ist, die durch den Mainstream nicht mehr bedient wird. Berichterstattung, die nicht von vornherein auf einen öffentlichen Konsens zielt, aber auch den Stil der Wutmedien (Beispiele gibt es im Spiegel und der Springer-Presse) tunlichst vermeidet.

Sputnik-News ist in jedem Falle ein entwicklungsfähiges Medium, das noch besser werden könnte, wenn der Kreml hier die Leine länger gestalten würde, ohne verrückten Ideologen von rechts oder links freie Hand zu lassen. Die Balance könnte gelingen!