Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Amerikaner produzieren kleinen militärischen GAU mitten im Waffenstillstand. Unfriendly fire für Assad.

Gestern gegen 17.00 Lokalzeit (14.00 GMT) haben amerikanische Kampfbomber einen schweren Angriff in der Nähe des Flughafens „Deir Ezzor“ im Osten Syriens geflogen. Mit erheblichen Folgen für die angegriffene syrische Armee. Mehr als achtzig Soldaten wurden getötet, viele verletzt und die dort operierende Einheit ist stark geschwächt.

Dies ist umso schlimmer, als der in der Nähe operierende IS, der eigentlich getroffen werden sollte, nun einen militärischen Vorteil nutzen konnte und mehr oder weniger unangefochten, von einem Hügel beim Flughafen,  Kontrolle über diesen ausübt. Eigentlich befindet sich der Flughafen  in den Händen der syrischen Truppen.

Da der Flughafen im IS-kontrollierten Gebiet im Osten Syriens eine der wenigen strategischen Infrastruktur-Einrichtungen unter Kontrolle der syrischen Armee ist, ist dieses „Versehen“ ein militärischer Rückschlag im Kampf gegen den IS.

Russland hat eine Sicherheitsratssitzung gefordert und eine detaillierte Klärung des Vorfalles verlangt. Allerdings haben sich die Amerikaner durch die Botschafterin bei der UN, Samantha Powers, auch schon entschuldigt und Aufklärung versprochen, zugleich aber die Erklärung eines Notfalles durch Moskau als „stunt“ bezeichnet, was wohl so viel meint, dass die Russen, die selbst „Blut an ihren Händen“ hätten, eine offizielle Verurteilung durch den Sicherheitsrat erreichen wollten.

Während ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums die fehlende und von den Amerikanern wohl nicht gewollte Koordinierung von Angriffen mit Russland für den Fehler verantwortlich macht, kommt aus dem russischen Außenministerium von der Sprecherin Maria Zakharova der Vorwurf, dass die Amerikaner ISIS verteidigen! Die Russen verlangen schon seit Längerem von den Amerikanern, dass sie klare Grenzen bei ihren Verbündeten ziehen und terroristische Rebellen als Verbündete klar ablehnen. Ein schwelender Konflikt zwischen Russen und Amerikanern im Syrien-Krieg.

Es scheint den Amerikanern immer weniger zu nützen, die Regierung Assad zu einem terroristischen Regime zu erklären, um auf der anderen Seite die Legitimation zu bekommen, mit islamistischen Terrorgruppen zu paktieren, die gegen das Assad-Regime kämpfen. Tatsächlich ist das Konzept der amerikanisch geführten Anti-IS Allianz verdächtig, mit der Bekämpfung des Islamischen Staates, islamistische Rebellengruppen militärisch so stark zu machen, dass sie am Ende Assad gefährlich werden können. Endziel der Amerikaner bleibt der Sturz des Assad-Regimes und eine Neuordnung der Macht in Syrien.

Somit haben die Amerikaner gestern versehentlich ihren tatsächlichen Gegner angegriffen. Wirklich bedauerlich!

Als Croux gibt es noch die Meldung am Schluss: Infolge des Zwischenfalles stoppen die Amerikaner ihre Angriffe auf den IS in Syrien. Will man weitere Versehen vermeiden?

Wie auch immer.

Beide Handlungen, der versehentliche Angriff auf die Assad-Truppen in einer militärisch instabilen Lage am Flughafen von Deir Ezzor und der Stop weiterer Angriffe gegen den IS wirken in der gleichen Richtung: Sie helfen ISIS.