Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Trumps Schlag gegen Assad teilt in den USA die Geister. Die, welche seine stärksten Anhänger waren, fühlen sich nun vom amerikanischen Präsidenten hinter das Licht geführt. Hatte er doch immer betont, in Syrien nicht intervenieren zu wollen.

Diejenigen, die bisher seine ärgsten Gegner waren, pflichten Trump plötzlich bei und finden verständnisvolle Worte für seine „postwendende“ Militäraktion gegen den Luftwaffenstützpunkt, al-Schairat, den er von See aus mit 59 Tomahawk-Raketen attackieren ließ.

Verkehrte Welt?

Wohl kaum. Trump ist Trump geblieben. Seine öffentliche Erklärung, die er kurz zuvor im Weißen Haus abgegeben hat, strotzte nur so von der, für ihn typischen, emotional aufgeladenen, Rhetorik. Während seiner Ansprache erschien seine Mimik wutverzerrt, während er von toten Kindern und kleinen süßen Babys sprach. Trump war Trump, es brach gewissermaßen aus ihm heraus.

Der Sinn der Ansprache war nicht zuletzt eine Botschaft an Russland, die besagte: „Das könnt ihr nicht machen, das könnt ihr nicht mit den Syrern machen, das könnt ihr mit niemandem machen, das ist einfach zu viel!“

Tatsächlich hatte Russland den recht offensichtlichen Chemieschlag, der in der Art der Durchführung ganz klar nach einem Versuch aussah, einen „Terrorkrieg“ gegen die Rebellen und die betroffene Bevölkerung zu beginnen, den Chemiewaffenangriff äußerst defensiv kommentiert und kaum noch ein propagandistisches Mittel gefunden, die Schuld von Assad abzulenken.

Nach einer solchen Attacke konnte der Kreml den syrischen Präsidenten kaum noch stützen. Es ist davon auszugehen, dass Assad diesen Angriff nicht mit Moskau abgesprochen hat. Hinter den Mauern des Kremls dürfte Frustration und Ratlosigkeit geherrscht haben. So waren die offiziellen Erklärungen auch verhältnismäßig zahnlos, als der Militärschlag der USA bekannt wurde. Von signifikant beschädigten Beziehungen zwischen Russland und den USA war die Rede, als sowohl Peskow, als auch Lawrow zu dem US-Angriff Stellung bezogen. Nicht besonders kriegerisch ausgedrückt.

Am Ende wird es entscheidend sein, ob Donald Trump hier lediglich ein Zeichen gesetzt hat, was zu seiner impulsiv dargestellten öffentlichen Persönlichkeit durchaus passen würde, oder aber einen Strategiewechsel vollzogen hat.

Letzteres ist unwahrscheinlich.

Das weiß auch der Kreml. Putin wird viel eher geneigt sein, auf Assad zu reagieren, der Moskau in eine üble Lage bringt, wenn er, mangels militärischer Erfolge in der Provinz Idlib, einen Terrorkrieg beginnt, als auf Konfrontationskurs gegen Trump zu gehen.

Der hat sich schließlich nur „Luft gemacht“ und seiner Wut über die „toten Babys“ Ausdruck verliehen.

Übrigens ist bei dem gestrigen Militärschlag gegen die Luftwaffenbasis in Syrien von sechs Toten die Rede, darunter zwei tote Kinder!