Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Das Bild des kleinen Aylan, hat überall auf der Welt Bestürzung hervorgerufen. Es wird hier nicht gezeigt, kann überall im Web angesehen werden. Wichtig ist nur, die richtigen Konsequenzen aus diesem traurigsten Bild aller Zeiten zu ziehen.

Der Krieg in Syrien muss aufhören!

Den Schlüssel für die Lösung des Bürgerkrieges in Syrien halten zwei Länder in den Händen, Amerika, das den Bürgerkrieg mit dem Ziel Assad zu stürzen vom Zaun gebrochen hat und Russland, dass seit Jahren den Sturz des Regimes Assad verhindert.

Über diesen neuerlichen Streit der Großmächte sind in Syrien eine viertel Million Menschen gestorben, meist Unschuldige, viele Kinder dabei, wie Aylan, dessen Familie nach Europa flüchten wollte und Opfer von Schleuserbanden wurde.

Was über diese gewaltigen Flüchtlingsdramen leider vergessen wird, ist, dass sowohl Amerika als auch Russland eine Lösung des Konfliktes und damit auch eine effektive Bekämpfung der barbarischen Terrorarmee Islamischer Staat bisher blockiert haben.

Hauptziel der Amerikaner, die den IS äußerst uneffektiv aus sicherer Höhe bekämpfen ist der Sturz des syrischen Diktators Assad. Hauptziel Moskaus ist, Assad zu halten und damit den eigenen Einfluss im Land nicht an die Amerikaner verlieren. Über diese tödliche Blockade zweier Großmächte können in Syrien nochmal eine viertel Million Menschen sterben, ohne dass sich etwas verändert. Nur die Flüchtlingsströme nach Europa werden noch größer werden.

Es ist müßig nun darüber zu berichten, wie die Amerikaner Islamistische Milizen, darunter auch Vorgängerorganisationen des IS und Al Kaida mit Waffen unterstützt haben, um ihr Ziel, Syrien aus dem Einflussbereich Russlands zu lösen, zu erreichen. Ebenso überflüssig ist es, ausführlich zu schildern, wie Russland auch die schlimmsten Kriegsverbrechen der Assad-Armee am eigenen Volk noch gedeckt hat und dem Diktator immer wieder den Hals aus der Schlinge gezogen hat.

Jetzt geht es nur darum, den Wahnsinn zu beenden!

Für die Weltöffentlichkeit wird immer offensichtlicher, dass Moskau und Washington als Hauptverursacher des Bürgerkrieges die moralische Pflicht haben, dieses jahrelange Massaker an der Zivilbevölkerung in Syrien zu beenden, ohne primär eigene Interessen zu verfolgen!

Die Reaktionen aus Washington, die Putins Vorschlag einer neuen Anti-IS-Allianz verteufeln sind dabei ebenso unangemessen, wie Putins Vorstellung, eine eigene Allianz zu schmieden, die gewissermaßen in Konkurrenz zu den Amerikanern tritt. Die Syrer sind keine Instrumente amerikanischer und russischer Großmachtpolitik, sondern Menschen!

Die Lösung des Bürgerkrieges kann nur über eine gemeinsame, zunächst diplomatische amerikanisch-russische Mission führen, in der eine Einigung zwischen Assad und der gemäßigten syrischen Opposition als Voraussetzung für eine schnelle und effektive Bekämpfung der Islamisten zu erreichen ist. Dafür muss Washington auf die Opposition und Moskau auf Assad Einfluss nehmen. Beide dürfen keinen Zweifel daran lassen, dass eine Einigung der einzige Weg aus diesem Krieg sein kann.

Erst danach ist es möglich, die militanten Islamisten aus Syrien zu vertreiben und das Land zu befrieden. Dafür allerdings müssen die Amerikaner erst einmal ihre zweifelhaften Bündnisse mit den islamistischen Milizen in Syrien lösen, sofern sie dem IS nahe stehen. Nicht gemeint sind damit schiitische Milizen, die gegen den Islamischen Staat kämpfen und in aller Regel vom Iran unterstützt werden.

Amerika und Russland müssen zu Friedensgaranten werden und aufhören, für ihre Machtkämpfe ganze Regionen über die Klinge springen zu lassen.

Bereits im Ukrainischen Bürgerkrieg haben beide Länder gewaltig an internationaler Reputation und Glaubwürdigkeit verloren. Jetzt steht der mittlere Osten auf dem Spiel und erneut sind Amerikaner und Russen dabei ihre Glaubwürdigkeit als Friedensmächte zu verspielen.

Es mag naiv klingen, das zu fordern. Aber langfristig, wird die moralisch völlig verkommene Strategie die Welt zu einem Spielplatz der russisch-amerikanischen Gegnerschaft zu machen zu einer Disqualifizierung und Marginalisierung beider Großmächte führen. Europa ist dabei sich gleichermaßen von Amerika und Russland zu distanzieren. Bei den BRICS-Staaten gibt es gegenüber Amerika ähnliche Abgrenzungen, die aber auch Russland treffen. Weder China noch Indien noch Brasilien sind gewillt, sich auf Betreiben Russlands in eine neue bipolare Welt hineinziehen zu lassen.

Amerika und Russland haben sich zu einigen und zwar im globalen Interesse. Die Syrer sind jetzt ein Prüfstein, ob diese größten Länder der Erde weiterhin destabilisierend über den Erdball ziehen wollen, oder bereit sind, Eigeninteressen für den globalen Frieden zurückzustellen.

Moskau und Washington gehören zu allererst an einen Tisch!

Auch, damit im Mittelmeer keine Menschen mehr ertrinken müssen.