Hofft der Westen auf ein Ende des Bürgerkrieges in Syrien notfalls durch einen Sieg Assads?

Die Offensive in Aleppo zeigt derzeit ziemlich deutlich, dass das Verhandlungskonzept des Westens nicht greift. Stattdessen scheinen jetzt auch westliche Medien auf einen schnellen militärischen Erfolg des syrischen Diktators Assad zu hoffen, damit in Syrien wieder Ruhe einkehrt.

Warum?

Über Jahre starben in Syrien Menschen, wurde das Land zerstört und sowohl die EU, als auch die USA unterstützten den Aufstand gegen den syrischen Diktator. Währenddessen konnte man in Libyen, das seinen Diktator losgeworden war, beobachten, wie ein Bürgerkrieg zwischen Islamisten, die der Moslembruderschaft nahestehen und dem Westen zugewandten Politikern das Land zerriss. Derzeit wird das Land von einer Regierung in Tobruk und einer Gegenregierung in Tripolis regiert, dazwischen hat sich der IS breit gemacht.

Nach einem Sieg der Rebellen in Syrien würde es vermutlich noch viel schlimmer kommen. Die Rebellengruppen reichen von der gemäßigten Freien Syrischen Armee im Süden des Landes bis zur Al Nusra im Norden. Dazwischen gibt es den IS, Al Quaida und sogar Taliban, die aus Afghanistan angereist sind. Wenn diese Rebellengruppen tatsächlich Assad beseitigen könnten, wäre der Bürgerkrieg nicht beendet. Der Kampf um den Grad der politischen Islamisierung des Landes würde einfach weitergehen. Das scheinen inzwischen auch die Länder begriffen zu haben, die in Anti-Terror-Allianz gegen den IS angetreten sind.

Der Aufstieg Recep Erdogans zum türkischen Diktator hat hier noch eine zusätzliche Brisanz für Syrien erzeugt. Vermutlich würden bei einem Sturz Assads die radikal islamischen Rebellen, insbesondere Al Nusra erhebliche Unterstützung vom türkischen Autokraten bekommen und der Westen müsste hilflos mit ansehen, wie Syrien in einen türkisch protegierten Islamischen Staat mit Scharia in der Verfassung und allen anderen Merkmalen des politischen Islams versinkt. Christen hätten dann keine guten Karten mehr in dem Land, das vorher multiethnisch zusammengesetzt war und von Assad auch als multiethnisches Land geführt wurde.

Die Vermutung, dass ein Sieg Assads mit Hilfe Russlands auch die größten Chancen auf eine wirksame Bekämpfung des Islamischen Staates birgt, ist ebenfalls in westlichen Diplomatenkreisen zumindest leise zu hören. Man darf das nicht laut sagen, weil dann sowohl die beteiligten europäischen Staaten, als auch die USA ihr Gesicht verlieren würden. Aber wissen tun es die meisten.

Am Ende kann man also hoffen, dass der Kampf um Aleppo die letzte humanitäre Katastrophe in Syrien wird, was zynisch klingt, aber zumindest die Hoffnung birgt, dass dann der Bürgerkrieg bald vorbei sein wird.

Der Spiegel jedenfalls titelt heute: Syriens Schicksal liegt in Putins Hand.