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Syrische Flughäfen

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Nach der Twitter-Drohung des amerikanischen Präsidenten gegen die syrische Regierung, schöne, neue und intelligente Raketen, als Vergeltung für den Giftgasangriff von Duma zu schicken, rätseln sicher viele, wo Trump amerikanische Raketen einsetzen wird.

Wahrscheinlich ist ein Angriff auf Militärflugplätze in Syrien durch Marschflugkörper (z.B. Tomahawk-Raketen), die sowohl vom Mittelmeer, als auch vom Persischen Golf aus, auf Syrien abgeschossen werden könnten.

Die syrische Armee bereitet sich bereits auf einen Schlag vor und räumt Luftwaffenstützpunkte. Der Angriff auf den Militärflugplatz asch-Schaʿirat vor einem Jahr durch 60 Tomahawk-Raketen, sitzt der syrischen Luftwaffe immer noch im Nacken. Unwahrscheinlich aber, dass die Amerikaner zweimal dasselbe Ziel angreifen.

Insgesamt gibt es ein Dutzend geeignete Militärflugplätze in Syrien und somit noch mindestens elf Alternativen.

  der Militärflugplatz Hamdan bei Abu Kamal

  der Militärflugplatz Menagh in der Provinz Aleppo

  der Militärflugplatz Taftanaz

  der Militärflugplatz Kuweyres

  der Militärflugplatz  Al-Nasiriyah

  der Militärflugplatz al-Mazza

  der Militärflugplatz Hama

  der Militärflugplatz Hmeimim

  der Militärflugplatz ath-Thaʿla

  der Militärflugplatz Sayqal

  der Militärflugplatz at-Tiyas

 

Der Flugplatz Hamdan ist nicht in Betrieb. Daneben eignet sich der Flugplatz Menagh nicht für einen Militärschlag, da er von amerikanisch verbündeten YPG Kämpfern gehalten wird. Der Flugplatz Taftanaz in Idlib wäre da schon eher geeignet, wurde mehrfach von Rebellen erobert und wieder abgegeben. Hier gibt es die meisten Heli-Pads in Syrien (48), was es für einen symbolischen Schlag gegen die Hubschrauber-Flotte von Assad interessant machen würde. Taftanaz liegt allerdings im Norden von Syrien und hat dadurch mit Ost-Ghuta wenig zu tun.

Fünfzig Kilometer östlich von Aleppo liegt Kuweyres, Ein Flugplatz, der ebenfalls von Rebellen besetzt und der syrischen Armee zurückerobert wurde. Dort gab es viele Opfer bei den syrischen Streitkräften, ein symbolträchtiger Ort also, wenn man Assad treffen möchte.  Der Flugplatz Al-Nasiriyah liegt in Damaskus und könnte einer der Plätze sein, von dem aus Angriffe auf Duma geflogen wurden, ist deshalb hoch relevant für einen Militärschlag der Amerikaner. Noch relevanter ist Al-Dumayr, vierzig Kilometer nordöstlich von Damaskus, von wo aus nachweislich Luftschläge gegen Ost-Gutha geführt wurden.

Von Israel bereits bombardiert wurde der Flughafen von Al-Mazza und at-Tiyas (T4). Das wären Ziele ohne besondere Ambitionen, weil Israel hier schon mehr als aktiv war.

Der Flugplatz von Hamah liegt fünfzig Kilometer nördlich von Homs und ist ziemlich groß. Er verfügt über Heli-Pads (10) und ist vom Mittelmeer aus leicht anzugreifen, was ihn attraktiv für die Amerikaner machen könnte. Militärisch ist er aber nicht der bedeutendste Flugplatz, obwohl strategisch gut gelegen.

Der Militärflugplatz Hmeimim nördlich vom Flughafen Latakia verbietet sich, weil er ein russischer Stützpunkt ist.

Ath-Thaʿla ist ziemlich klein, Sayqal in Damaskus allerdings ein lohnendes Ziel. Hier gibt es 44 Hangars, eine Zahl, die nur von T4 übertroffen wird.

Das Dilemma

Das Problem der amerikanischen Regierung besteht darin, dass man einen hinreichend relevanten Schlag, möglichst mit Bezug zu Ost-Ghuta durchführen will, aber auch hinreichend sicher sein Ziel erreichen will. In der Region Damaskus dürfte das schwierig sein, weil sich die Raketenabwehr auf die Hauptstadt konzentriert. Der T4 Platz ist hinreichend relevant und auch nachweislich für Luftschläge erreichbar, wie Israel mehrfach bewiesen hat. Damit allerdings auch nicht sehr prestigeträchtig. Irgendwo nördlich von Homs fängt man dann an, sich lächerlich zu machen, weil die Ziele zwar gut angreifbar sind, aber keinen Bezug mehr zu Duma haben.

Am ehesten wären noch Al-Dumayr und der Flugplatz von Hamah geeignet. Ersterer ist militärisch hoch relevant, der Zweite ist ein einfaches Ziel.

Wofür die Amerikaner sich entscheiden, weiß natürlich niemand, sie könnten ebenso bei Palmyra zuschlagen, wo es nur Wüste gibt. Aber wahrscheinlich will Trump sich als Haudegen profilieren und wird sich für einen der Flughäfen in der Region Damaskus entscheiden.

Lange werden wir wohl nicht mehr rätseln müssen (und die Russen auch nicht).