Die Zeit drängt. Islamistische Kämpfer der „ Nursa“ haben zunehmende territoriale Erfolge zu verzeichnen und Assads Truppen weichen zurück. Inzwischen ist es nicht mehr unwahrscheinlich das Teile der syrischen Mittelmeerküste besonders im Norden des Landes von Islamisten eingenommen werden. Da tröstet es wenig, dass die Al-Kaida-nahe Nursa, die mit dem Islamischen Staat konkurriert, die größte Gefahr in der Region darstellt.

Der Zugang zu den syrischen Mittelmeerhäfen im Norden des Landes dürfte auch die Russen interessiere, die in Tartus ihren einzigen Mittelmeerstützpunkt haben. Eine Frage der Zeit, bis die Rebellen auch vor Tartus stehen, zumindest dann, wenn die Nursa weiterhin gewähren kann ohne von der Anti-IS-Allianz in ihrer derzeitigen Form, unter der Führung der Amerikaner, unter Druck gesetzt zu werden.

Assads Truppen ziehen sich jedenfalls in sichere Regionen im Süden zurück und überließen jüngst auch die Straße zwischen Homs (unweit von Tartus) und Aleppo den Rebellen. Kein gutes Zeichen.

Während die Amerikaner also versuchen durch Bündnisse mit den schlimmsten Rebellengruppen, auch mit der Nursa-Front, den Einsatz eigener Bodentruppen zu vermeiden, dringt nur die Unterstützung für die Kurden an die Öffentlichkeit, das Paktieren Amerikas mit islamistischen Milizen bleibt unter dem Teppich.

Russland kann das nicht gefallen, weil es kurz davor steht, seine einzige Militärbasis im Mittelmeer zu verlieren, was die Amerikaner wohl gern sehen würden, auch wenn nach dem Sturz Assads in Syrien ein islamistisches Chaos nach dem Muster Libyens entstehen und nicht so bald aufhören würde. Destabilisierung ist für Washington immer noch die beste Strategie, sich eigene Machtoptionen offen zu halten. Wenn man den nahen und mittleren Osten nicht beherrschen kann, dann lässt man ihn halt brennen.

Perfide ist nun die laut vorgetragene Beschwerde Washingtons, dass Russland seine Militärbasis verstärkt. Es wird behauptet, der Kreml wolle auf eigene Faust in den Syrienkrieg eingreifen. Das ist auch gar nicht so falsch, weil Russland ja Assad stützt. Das Problem an der Behauptung ist nur, dass die Alternative verschwiegen wird, die derzeit durch die Amerikaner definiert ist. Das Land wird solange im Chaos gehalten, bis Assad gestützt ist. Deshalb die halbherzige Bekämpfung auch des Islamischen Staates durch die derzeitige Allianz.

Assad muss gestürzt werden, um die Russen aus dem Mittelmeerraum zu verdrängen. Ein wesentlicher Grund auch für Unterstützung und das Anzetteln des arabischen Frühlings durch die Amerikaner. Man sollte nicht vergessen, dass auch Gaddafi ein Verbündeter Moskaus war, der kurzerhand im Rahmen der libyschen Revolution ermordet wurde. Der Kreml ist also vor allem alarmiert, Washington spielt dagegen nur die Empörung.

Der nächste Schritt wird dennoch äußerst unbehaglich. Die Allianz weitet ihr militärisches Engagement jetzt nicht als Reaktion auf die Erfolge der Nursa-Front und des Islamischen Staates, sondern als Reaktion auf die russische Militärpräsenz in Syrien aus. Briten und Franzosen mischen seit einigen Tagen deutlich stärker bei   Luftangriffen auf IS-Stellungen mit. Keines der beteiligten Länder agiert allerdings mit Bodentruppen.

Das könnte sich ändern, wenn Assads Truppen mit russischer Unterstützung wieder auf dem Vormarsch sind. Dann könnten sich auch Nato-Länder und Russland in einer direkten Konfrontation wiederfinden. Denn auch, wenn Assads Armee derzeit nicht direkt von den Flugzeugen der Allianz angegriffen wird, ist damit zu rechnen, wenn sie auf die Rebellenhochburgen vorrückt und dabei erfolgreich ist. Dann allerdings ist der Kreml schon mit dabei.

Szenario ist geeignet für einen Weltkrieg

Wenn russisches Militär für Assad zum Einsatz kommt und gegen Rebellenhochburgen kämpft, könnte der Punkt erreicht sein, an dem amerikanische, britische oder französische Bomber russische Panzer beschießen. Nur dumm, wenn dann auch tatsächlich Russen drin sitzen. Dann haben wir einen Krieg zwischen Amerika und Russland auf syrischem Boden, in den auch einige andere Nato-Staaten, zumindest Großbritannien mit verwickelt sind. Formal gesehen ist das dann ein unausgesprochener Weltkrieg.

Damit das vermieden wird, spricht eine Menge dafür, dass sich Washington und Moskau über das Schicksal des Assad-Regimes und die Neuordnung Syriens einigen. Die Ukraine ist schon geteilt. Es fällt auf, dass immer wenn Amerikaner und Russen aufeinandertreffen, Länder geteilt werden. Das ist eine ziemlich unerträgliche Situation, die die globale Reputation der beiden Großmächte aufs äußerste in Frage stellt.

Ein Weltkrieg allerdings wäre noch schlimmer.