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Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Was ist eigentlich los? Ab heute trauert angeblich die ganze Welt um die Anschlagsopfer von Orlando. Die deutschen Zeitungen überschlagen sich mit Berichten, die TV und Rundfunksender ebenfalls.

Vor ein paar Tagen hat der Terror in der Türkei wieder Menschenleben gekostet, genauso viel, wie in Orlando und beileibe nicht das erste Mal in diesem Jahr. Warum trauern die Medien nicht mit diesen Menschen. Warum trauert die Welt nicht mit Istanbul?

Die Antwort ist klar und denkbar einfach: Weil die Welt auch nicht mit Orlando trauert. Höchstens die Zeitschrift die „Welt“, die diese Trauer zusammen mit anderen großen Medien inszeniert hat. Der Springer-Verlag ist bekanntermaßen vertraglich den USA verpflichtet, viele andere Verlage ziehen mit. Also trauert in Deutschland die Welt mit Orlando. Punkt.

Das klingt grausam ist aber Realität und muss erwähnt werden, wenn die scheinbare Gefühllosigkeit der Europäer für die vielen Opfer des Terrors in der islamischen Welt und aktuell nicht nur in der Türkei, sondern auch in Syrien, Libyen, dem Irak und in vielen afrikanischen Ländern so auffällig scheint, wie heute.

Tatsächlich ist das Mitgefühl mit den Amerikanern nicht größer und nicht kleiner, als mit den Menschen in Istanbul, die gerade ihre Angehörigen in einem der explodierten Busse verloren haben. Kein aufrichtiger Mensch denkt hier „Selbst Schuld“. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, zu sagen, die Amerikaner hätten selbst schuld wegen ihrer liberalen Waffengesetze oder hunderttausenden Iraker, die sie in den letzten Kriegen getötet haben.

Nur ist diese vermeintliche Tatsache, dass mit den Amerikanern und Franzosen kräftig getrauert und solidarisiert wird, mit Russen und Türken aber nicht und mit arabischen Ländern schon gar nicht, keine Tatsache, sondern eine mediale Inszenierung. Eine Inszenierung von vielen, die wir täglich über uns ergehen lassen müssen, obwohl wir es besser wissen.

Unsere Medien ticken im Manipulationsmodus mächtiger politischer Einflussgruppen und Eliten, oft mit transatlantischem Hintergrund, die uns täglich versuchen, das Gehirn zu waschen. Das geht auf die Dauer ebenso wenig gut, wie die Medienzensur in Russland und der Türkei und vielleicht auch bald in Polen gut gehen kann.

Wir sollten mit den Menschen trauern, mit denen wir trauern wollen. Dabei bin ich mir sicher, dass es in unserem Land ebenso viele Menschen gibt, die mit Istanbul und Ankara aber auch mit den kurdischen Opfern dieses Bürgerkrieges in der Türkei trauern, wie mit den amerikanischen Opfern eines durchgedrehten Islamisten. Im Endeffekt sind das aber nicht Viele. Die meisten gehen ihrem Alltag nach und lassen den Terror links liegen. Die Trauer hält sich in Grenzen.

Vielleicht ist das die bessere Haltung, als die selektiv verordnete Trauer einflussreicher Medien, die leider sehr ungleich verteilt ist!