Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

The Fourth Estate (arte) wird (zweite Folge) am 13.8. um 20.15 auf tagesschau24 ausgestrahlt. Der deutsche Titel lautet: Mission Wahrheit – Die NYT und Donald Trump

Ein Jahr «NYT» ist ein irres Vorhaben. Es lässt sich nur entfernt erahnen, wie viele tausend Stunden dafür gefilmt, gesichtet, geschnitten wurden. Entsprechend sehenswert sind diese dreieinhalb Stunden Kondensat. (NZZ).

Mission Wahrheit heißt die gekürzte Adaption der US-Dokuserie über die NYT von Liz Garbus. Mission Wahrheit bezieht sich dabei fast ausschließlich auf den Kampf der liberalen Medien gegen Donald Trump. Skandale werden gesucht, aufgedeckt und dann wieder zurückgenommen. Als Beispiel kann man das ständige Kreisen der Washington Redaktion um mögliche Russlandkontakte des Trump-Teams nennen. Die Suche nach erhärtenden Fakten, die eine russische Wahlbeeinflussung zu Gunsten Trumps und mit Wissen seines Teams und möglicherweise des Präsidenten selbst, nachweisen, wird bereits nach wenigen Minuten zum alles bestimmenden Fokus dieser Dokumentation.

Dabei wird der Versuch, Trump als Marionette Russlands zu entlarven, ähnlich stilisiert und aufbereitet, wie der Watergate-Skandal (der allerdings nicht von der NYT sondern von der Washington Post aufgedeckt wurde). Wie wir heute wissen (Mueller-Report), scheiterte dieser Versuch und die NYT muss sich gefallen lassen, als Teil einer Kampagne gegen den gewählten Präsidenten gedient zu haben, mit der dieser möglichst aus dem Amt gejagt werden sollte.

An jeder Ecke dieser Dokumentation schimmert die Kampagne durch und man hat den zwingenden Eindruck, dass der Skandal die Person des Präsidenten selbst  ist, zumindest für die Journalisten der NYT.

Sie können Donald Trump nach seiner Wahl, einfach nicht Präsident sein lassen. Er ist ein Lügner, Gauner und Betrüger, aber nicht der amerikanische Präsident. So verabrschiedet sich eine Journalisten der NYT nach einem Telefonat mit Trump schlicht mit den Worten: “Thank you, Sir” und nicht “Thank you Mr. President”.

Die Tatsache, dass sich die Journalisten des Washingtoner Büros, das unaufhörlich um die schnellsten Schlagzeilen mit der Washington Post konkurriert, für gnadenlose Aufklärer halten und dabei gar nicht wahrnehmen, dass sie sich im Kern einer liberalen Kampagne gegen den Präsidenten befinden, bedrückt den Zuschauer früher oder später. Ihm wird Objektivität vorgegaukelt, die er im Laufe der Dokumentation immer weniger glauben mag. Insbesondere die Vorwürfe Trumps gegen die Medien, sie würden Fake News produzieren und seien die Feinde des Volkes, scheint den Blick auf das reale Amerika zu Zeiten seiner Präsidentschaft erheblich zu trüben.

Die altehrwürdige Times fühlt sich vom Präsidenten angegriffen und feuert nun aus allen verfügbaren Rohren auf ihn. Trump feuert zurück. Mit investigativem Journalismus hat das alles überhaupt nichts zu tun. Der Mythos, New York Times, zerbröselt bereits im Laufe der ersten 90 Minuten dieses Films, unabsichtlich gewissermaßen.

Interessanterweise kritisiert die NYT die Dokumentation von Garbus wenige Tage nach der Veröffentlichung selbst in ziemlich harscher Weise. Als einen kompetenten, aber unvollständigen Einblick in die Arbeit des Büros wird die Doku beschrieben und der Artikel darüber schafft es tatsächlich, das Thema Trump, das Hauptinhalt von Garbus Film ist, vollkommen beiseite zu lassen.

Fast macht es den Eindruck als sei der NYT die Kampagne gegen Trump bewusst und zugleich peinlich

Vorgeworfen wird der Dokumentation Oberflächlichkeit. Man fragt sich dann angesichts von tausenden Stunden gedrehten Materials, ob in Wirklichkeit die tatsächliche Oberflächlichkeit des Times-Journalismus, der unter ständigem Druck steht, zu liefern, nicht behagt hat. Ob also die Oberflächlichkeit des Filmes nicht in Wirklichkeit die Oberflächlichkeit des Kampagnen-Journalismus dieser Medien beschreibt?

Der Fall des Journalisten, Glenn Thrush, dem vom gegnerischen, konservativen Medium VOX sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, wird in der Dokumentation als Angriff auf die Institution NYT gedeutet, was in dem Artikel der NYT ebenfalls als unglücklich beschrieben wird. Es passt allerdings zur Paranoia einer kriegführenden Partei (welche die NYT ist und zu der sie, als traditionelles Medium der amerikanischen Democrats, auch irgendwie gehört), eine Enthüllung über einen eigenen Journalisten so aufzufassen.

Letztlich zeigt die preisgekrönte Dokumentation ungewollt vor allem das, was eben nicht gezeigt werden sollte. Die Tatsache nämlich, dass der liberale Journalismus in den USA seit Trump zum billigen Kampagnen-Journalismus verkommen ist. Man hätte ebenso gut ein Jahr mit einer PR-Agentur verbringen können.