Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Sachsens Ministerpräsident Tillich entlarvt die Union – ungewollt natürlich.

Das Bonmot der Woche kommt von Sachsens Ministerpräsident Tillich. In einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) wirbt er nach der Wahl für einen Mitte-Rechts-Kurs der Union und meint, dass viele Leute wollen: Deutschland soll Deutschland bleiben.

Aber dies ist nicht das Bonmot. Das geht über die Kanzlerin und ihre möglichen Nachfolger. Hier meint Tillich:

„Ich bin davon überzeugt, dass die Bundeskanzlerin weiß, wie sie ihre Nachfolge regelt.“

Moment mal.

Regelt die Kanzlerin ihre Nachfolge jetzt allein? Leben wir jetzt doch schon in einer Erbmonarchie? Wo bleibt die Union?

Ganz offensichtlich hat man, wie selbstverständlich, schon die Vorstellung, dass die Union den Vorschlag der Kanzlerin für ihre Nachfolge einfach abnickt. Kein Richtungskampf, keine parteiinterne Konkurrenz, kein Wettbewerb.

Nein, die Kanzlerin ernennt ihre Nachfolgerin ganz allein.

Ein Schelm der Von der Leyen dabei denkt.

Mit Demokratie allerdings, auch mit parteiinterner Demokratie, hat das alles nichts mehr zu tun.

Da wirft man der AfD ungehemmt vor, undemokratisch zu sein, obwohl es dort Richtungskämpfe und Personaldebatten zu Hauf gibt.

Und die Union???

Ist demokratischer?

Wohl kaum.