Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro-Berlin

Einen Friedensengel hat Papst Franziskus dem russischen Präsidenten geschenkt.  Einen Friedensengel! Die Frage ist, war das ein Wink mit dem Zaunpfahl oder eine Ehrung?

Die gleiche Frage könnte man sich allerdings auch anlässlich des Friedensnobelpreises für Barack Obama stellen und für den, welche die EU bekommen hat, obendrein? Ehrung oder Zaunpfahl?

Ich bin für Letzteren, denn Franziskus sprach kürzlich von einem dritten Weltkrieg auf Raten. Er erwähnte eine martialische Rhetorik, welche die Diplomatie zunehmend bestimme und fürchtet einen neuen „Kalten Krieg“.

Recht hat er und auch mit der symbolisch wirkenden Audienz für Wladimir Putin kurz nach dem G7-Gipfel der angeblichen Wertegemeinschaft.

An dieser Stelle würde ich mal nicht den Papst, sondern Allen Greenspan zitieren, der derzeit einen Währungskrieg toben sieht, besonders auch zwischen Euroraum und Dollarmacht. Ganz un-katholisch offen ausgedrückt, könnte man es auch so übersetzen, dass sich derzeit die Mitglieder dieser Wertegemeinschaft gegenseitig das Währungsmesser in den Rücken rammen, das es nur so spritzt. Washington mit seiner Krisenpolitik für Europa, die zuletzt sehr schön mit ständiger Anheizung des Ukraine-Konfliktes auffiel, aber eigentlich nach der amerikanischen Exportkrise 2008 spätestens 2010 mit der Verabredung von Wallstreet-Größen den Euro auf Dollar-Parität zu drücken, ziemlich offensichtlich geworden war.

Nun wäre das Ziel fast erreicht gewesen, die Dollarparität,  aber die Amerikaner meckern schon wieder, weil sie nun in einen Exportnachteil gegenüber Europa kommen. Ein Zielkonflikt, der eben leider nicht lösbar ist. Entweder die Amerikaner genießen es, dass die ganze Welt Dollar kauft und damit die Währung stabil hält und den amerikanischen Staatshaushalt stützt, oder sie wollen plötzlich exportieren, diese größte Binnenwirtschaft der Welt. Dann aber müssen sie sich etwas für ihren Staatshaushalt einfallen lassen, weil selbst der Dollar nicht nach Belieben rauf und runter manipuliert werden kann.

Wie auch immer.

Die Europäer wollen den Amerikanern eine stabile Währung entgegensetzen und setzen zwar unwillig aber weiterhin auf Austerität. Merkel weiß, dass die internationalen Rohstoffmärkte irgendwann wieder nach oben gehen und dann nur stabile Währungen Kaufkraft haben. Die Europäer haben den Fehdehandschuh aus Washington längst aufgenommen und kämpfen um die eigene Währungsdominanz auf dem Erdball. Schließlich sind sie der größte Exporteur im Westen und nicht die Amerikaner. Warum soll dann der amerikanische Haushalt vom globalen Export profitieren, wenn man die Dinge auch in Euro abwickeln kann? Vielleicht auch mit Russland? Mit Russland könnte man ja anfangen. Das hat Washington längst gerochen und schimpft seit Jahren über diese unselige Achse, Paris-Berlin-Moskau und vielleicht auch noch Peking!

Wobei wir wieder bei Putin und Russland wären, der nicht ganz zu Unrecht denkt, dass sein Land wirtschaftlich von den Amerikanern und Briten, welche die internationalen Finanzmärkte dominieren, niedergerungen werden soll. Die Sanktionen sind da noch das kleinere Mittel, der massenhafte Kapitalabzug aus Russland und der Ausstieg aus dem Rubel dürfte ebenso geplant und beabsichtigt sein, wenn man bedenkt, dass Russland weltweit eine der höchsten Währungsreserven hält.

Krieg also allerorten. Franziskus hat Recht und wir stecken mittendrin.

Leider wurde unlängst auch der Papst marginalisiert und niemand hat ihn zum G7-Gipfel eingeladen. Was bleibt ihm also übrig, sich wie all die anderen armen Kerle, wie Tsirpas dem Griechen, den Argentiniern und den Brasilianern, den Indern und den Italienern, sich mit Putin zu treffen.

Im Krieg muss man eben sehen, wo man bleibt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es Friedensengel und Friedensnobelpreise regnet.