Corona

Schutzmaskenträger in Japan, sinnvolle Maßnahme. (Screenshot 2020 Gedächtnisbüro)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Für den Kampf gegen eine Epidemie ist nicht jedes Mittel recht.

Ja, wir haben einen exponentiellen Anstieg der Zahl von Infizierten. Aber wir haben auch eine hohe Dunkelziffer, über die wir nichts wissen. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Dunkelziffer, die um den Faktor sieben bis zehn höher sein soll, als die offiziellen Zahlen, mit diesen überhaupt korreliert. Testen wir die Bevölkerung etwa repräsentativ? Nein! Wir testen auf Verdacht und nicht täglich in der gleichen Zahl.

Wir wissen eigentlich nur, dass die Zahl der Kranken deutlich zunimmt und sind dabei vor allem von den Ausbrüchen in China und Italien beeinflusst, wo es viele Todesopfer gibt. In unserem Achtzigmillionen-Land gibt es derzeit zwischen dreißig und fünfzig Todesopfer insgesamt.

Jetzt wollen bereits viele Länderchefs drastische Ausgangssperren verhängen. Derzeit läuft die gesamte politische Elite mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Gegend und droht. Aber wie sieht es mit anderen Schutzmöglichkeiten aus?

Anders gefragt: Wo sind unsere Schutzmasken?

Halb Asien läuft damit herum und wir lassen uns davon in die Irre führen, dass ein paar Wissenschaftler behaupten, die Methode wirke nicht, weil sich die Leute dann in falscher Sicherheit wiegen?

Corona wird durch Tröpfcheninfektion verbreitet, in allererster Linie. Gegen Tröpfcheninfektionen helfen Schutzmasken und Handschuhe.

Derzeit haben wir noch nicht einmal genügend Schutzmasken, um unser Klinikpersonal im Falle einer Eskalation der Pandemie zuverlässig zu schützen.

Nehmt endlich euren blöden Zeigefinger herunter und kümmert Euch um Schutzausrüstung, auch für die Bevölkerung!

Die Behauptungen von vielen Virologen, dass diese Maßnahmen nichts bringen, sind Schutzbehauptungen, weil wir nicht genügend Schutzausrüstungen haben. Sie sind in keiner Weise wissenschaftlich bewiesen. Seoul und Tokyo machen das derzeit vor.

Die Pandemie ist keine Schuldfrage und der Eingriff in unsere Grundrechte geht irgendwann nicht mehr in Ordnung

Wenn man jetzt in unsere Grundrechte eingreift und so tut, als seien wir selber schuld, wenn die Maßnahmen immer drastischer werden, dürfte das wohl eine gewaltige Unverschämtheit sein, die man auch mit ein paar Corona-Partys von dummen Jugendlichen nicht rechtfertigen kann.

Ausgangssperren sind Ultima Ratio und für Pest und Cholera reserviert, nicht aber für eine aggressive Grippe. Unsere Krankenhäuser behandeln momentan bundesweit nicht mehr als 1500 schwerer Erkrankte, davon einen geringen Anteil auf Intensivstationen. Die Todesraten sind weiterhin hierzulande sehr niedrig.

Wir wissen überhaupt nicht, ob die angedrohte Zahl von 10 Millionen Infizierten, nicht schon erreicht ist. Wenn man es provokativ ausdrücken will, ist das ohne flächendeckende, zumindest aber repräsentative Tests wohl kaum zu beantworten. Beides findet nicht statt, weil die Tests knapp sind. Nicht die Zahlen des Robert-Koch-Instituts und auch nicht die dramatischeren Zahlen der Hopkins-Universität stellen die Realität dieser Pandemie dar, sondern nur die realen Zahlen und die Zahl der Erkrankten in der Bevölkerung.

Die realen Zahlen haben wir aber nicht und können sie nicht einmal schätzen.

Trotzdem bleibt Fakt, dass derzeit in anderen europäischen Ländern viele Schwerkranke nur mit Mühen oder vielleicht sogar gar nicht angemessen behandelt werden können, wie der Fall der Lombardei in Italien zeigt, aber auch der Elsass in Frankreich und die Region um Madrid in Spanien.

Dieser Umstand beunruhigt!

Infektionsschutz ist also entscheidend. Wenigstens da sind wir uns mit der Politik einig. Aber die Maßnahmen, die mit drohender Gebärde angekündigt werden und von den Medien, wie in einer Echokammer noch einmal vergröbert und laut gestellt werden, sind bekanntlich Maßnahmen, die nur einen sehr relativen Einfluss auf den Verlauf solcher Infektionen haben. Wir wissen das von zahlreichen Influenza-Epidemien. Eine Verabsolutierung dieser Restriktionen bringt nicht mehr Schutz.

Das Social Distancing, das sicher eine rationale und gute Maßnahme ist, ebenso wie die hygienischen Maßnahmen rational und gut sind, dürfte sich in dem Moment gegen die Entscheidungsträger in unserem Land wenden, wenn es überzogen wird.

Die Perfektionsfalle, die hier lauert, besteht dann nicht nur in der Billigung von Extremmaßnahmen für einen geringen positiven Effekt, sondern auch in der Kosten-Nutzen-Analyse, die dann endgültig nicht mehr stimmt. Wenn wir wirtschaftlich und gesellschaftlich in die Knie gehen, nützen uns ein paar Prozent weniger Ansteckungen herzlich wenig. Die Maßnahmen müssen dann zurückgenommen werden, weil pure Not in der Bevölkerung entsteht, die dann die Epidemie zur Makulatur macht und ihr gleichzeitig in die Hände spielt.

Einfach ausgedrückt: Wenn Maßnahmen beschlossen werden, die aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen nicht zu halten sind, müssen sie zurückgenommen werden. Dann trifft uns die Epidemie erst recht!

An diesem Wochenende entscheidet sich in Deutschland, ob die politischen Führer Maß halten können, oder sich von ihrer Furcht überwältigen lassen und das öffentliche Leben und die Bürgerrechte in unvertretbarer Weise einschränken.

Das Social Distancing, das wir bei Fehlentscheidungen der beschriebenen Art erleben werden, wird dann vor allem zwischen Bevölkerung und Politik wirksam werden.

Zum Schluss:

Ja, wir sind eine Risikogesellschaft und wir leben unsere Freiheit um den Preis erheblicher Risiken. Wir sind nicht China!

Vergesst das nicht und übertreibt es nicht.

Kümmert Euch lieber um Schutzausrüstungen!

PS: Gerade bei Lidl einkaufen gewesen. Social Distancing funktioniert zwar, aber die Stimmung der Kassiereinnen ist katastrophal. Die Sonntagsöffnung hat ihnen die letzte Verschnaufpause genommen, die sie noch hatten. Sie fühlen sich regelrecht verheizt. So laufen politische Entscheidungen voll gegen die Menschen. Ob das lange gut geht, darf bezweifelt werden!