rotes Gebäude 2 Institutskaya

Screenshot 2014. Beginn des Mordens auf der Institutskaya in Kiew. Plotnitzki war der Mann, der den Widerstand im Osten gegen den Putsch mit organisieren sollte. Einer der ersten Stunde, der im Herbst 2014 zum Regierungschef in Lugansk gewählt wurde. Ist er noch am Leben?

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die Bilanz des Ukraine-Krieges mit zwei Theater-Republiken russischer Provenienz, eine, in der politischer Mord zum Alltag gehört, die andere, die sich mit Folterkellern und Ausgangssperren die Macht über die Bevölkerung sichert, ist niederschmetternd! Vermutlich gibt es viel mehr Opfer, als die offiziell neuntausend Toten seit Beginn des Krieges.

Politische Morde in Lugansk

Von Igor Plotnitzki hört man derzeit nichts. Seit dem Anschlag auf sein Fahrzeug am 6. August gibt es keine weiteren Veröffentlichungen über seinen Gesundheitszustand, was nicht ganz banal ist. Denn schließlich ist er der Regierungschef der Volksrepublik Lugansk.

Bevor sein Wagen in eine Sprengstofffalle gefahren ist, die an einem Laternenmast befestigt gewesen sein soll, gab es eine ganze Reihe weiterer Attentate und Morde von Separatistenführern in der Lugansker VR. Meist waren es Leute, die ein oder mehrere Bataillone befehligten und sich mit Plotnitzki im Machtkampf befanden. Einer von denen war Pavel Demrov, der ein Kosakenbataillon befehligte und wegen seiner poetisch anmutenden Äußerungen auch als Che Guevara des Donbass bezeichnet wurde. Bei ihm war es ebenfalls eine Bombe, die allerdings in seinem Jeep detonierte. Danach wurde das Feuer auf den Fahrzeugkonvoi eröffnet und tötete auch seine Begleiter. Ganze Arbeit!

Mord scheint an der Tagesordnung in Lungansk zu sein, die Retorten-Republik scheint nach innen zu zerfallen, die Machtkämpfe könnten aktuell in einer Führungslosigkeit resultieren, wenn Plotnitzki, der allgemein als „Mann Moskaus“ gehandelt wird, sich nicht wieder erholt.

In Donezk eine Theaterrepublik ohne Überlebenschance

Etwas anders sieht es Donezk aus, der Hauptstadt des Donbass, die ebenfalls eine Volksrepublik ausgerufen hat. Dort führt Alexander Sacharstchenko die politischen Geschäfte, die nach außen hin etwas sauberer wirken, als bei Plotnitzki. Während letzterer in diesem Jahr auf eindrucksvolle Massenveranstaltungen setzte, die am ersten Mai so skurril rüberkamen, wie in einer Bananenrepublik, wirkt die Donezker Führung schon professioneller. Die Stadt ist sauber, im Wesentlichen gut organisiert und niemand scheint dort zu hungern. Alle Schulen und Kindergärten und der öffentliche Nahverkehr funktionieren. Es gibt neuerdings republikanische Supermärkte mit russischen Waren, in denen mit Rubel bezahlt wird und welche die geschlossenen Supermärkte der vorrepublikanischen Zeit ersetzen sollen. Ein Teil dieser Supermärkte, gehörten Achmetow, der eigentliche Besitzer von Donezk, der aus dem Exil weiterhin seine Unternehmen laufen lässt und sogar seine Angestellten bezahlt! An die siebzigtausend Mitarbeiter soll Achmetow derzeit noch im Donbass finanzieren, wobei seine Kohlegruben weiterhin tausende Tonnen Kohle in die „faschistische“ Ukraine liefern. Irgendwas läuft immer.

Opferzahlen waren im Ukraine-Krieg von Anfang an nicht stimmig

Der Krieg findet aber weiterhin statt, wobei die OSZE bis zu 8000 Verstöße gegen den Waffenstillstand täglich gezählt haben will. Vermutlich haben die jede einzelne Granate registriert, deren Detonationen man auch im Zentrum von Donezk täglich hören kann. Die Leute haben sich daran gewöhnt und können inzwischen beurteilen, wann eine Granate im Bereich des entfernten Flughafens detoniert und wann sie „anfliegt“, was allerdings selten vorkommt.

Es verwundert sehr, dass bei diesem Verbrauch von Kriegsmaterial bisher nur neuntausend Menschen Opfer des Ukraine-Krieges geworden sein sollen. Ende 2014 hatte der BND in einem Papier einmal die relativ geringe Zahl der Opfer dieses Krieges angezweifelt, die sich damals auf offiziell Sechstausend belief. Man ging von realen Opferzahlen aus, die das Zehnfache betrügen. Wenn das stimmt, dürften die realen Opferzahlen aktuell wohl bei einhunderttausend Menschen liegen, etwa ein Viertel der Opfer des Syrienkrieges.

Sachartschenko regiert mit dem Krieg, der Ausgangssperre und dem „Keller“

Einhunderttausend Kriegstote in der Ukraine. Das wäre ein Zahl, die von den Medien nicht länger ignoriert werden würde und die eigentlichen Feldherren, die hier ihr Theater aufführen, Putin und Obama, zum Handeln zwingen würden. Ein echter Waffenstillstand müsste her. Daran hat natürlich keine der beiden Seiten ein Interesse, weshalb es bei den, vermutlich arg beschönigten, Opferzahlen bleibt.

Sacharschenko scheint im Unterschied zu Plotnitzki von der ständig hörbaren Nähe des Krieges zu profitieren. Nicht nur, dass er für seine „Theater-Republik“ sehr umfangreiche Hilfen aus Russland erhält, die außerdem durch die direkte und indirekte Unterstützung von Achmetow ergänzt werden, er kann es sich auch erlauben, einen Geheimdienst zu betreiben, der die Stadt fest im Griff hält und dessen Folter-Keller berüchtigt sind. Im Schutz der rigorosen nächtlichen Ausgangssperre, können Leute wegen „Nichts“ abgeholt und gefoltert werden. Deshalb gibt es in der Stadt auch kaum Kritik an der Regierung von Kremls Gnaden, jeder fürchtet den „Keller“ (Podwal), ein Begriff, der Synonym für die Staatssicherheit der DVR gehandelt wird.

Im Keller werden auch mittelständische Unternehmen enteignet, indem ihre Besitzer solange an den Armen aufgehängt werden, bis sie entsprechende Verträge unterzeichnen. Sogar russische Zeitungen berichten inzwischen darüber.

Die Menschen haben Angst vor ihren „Rettern“, die ihnen angeblich die Faschisten vom Hals halten

Natürlich hört man in Donezk und Lugansk nur Stimmen aus der Bevölkerung, die das „faschistische Regime“ in Kiew für ihre Lage beschuldigen, wie auch anders, wenn man für die Antithese das eigene Leben riskiert?

Der Ukraine-Krieg ist die größte Schweinerei Moskaus und Washingtons im Europa der Nachkriegszeit

Am Ende ist dieser Bürgerkrieg, der den Ukrainern vom Kreml aufgezwungen wurde, eine noch größere Schweinerei, als der Syrienkrieg, weil hier ein Land wegen eiskalter geopolitischer Machtkämpfe zwischen Russland und den USA zerschnitten wurde und, noch viel schlimmer, die Bevölkerung gegeneinander aufgehetzt wurde, auch mit Angst, Terror und Gewalt der jeweils eigenen Regierung.

Warum schweigen die Medien, warum gibt es kaum Reportagen?

Hier weiter wegzuschauen, wo täglich immer noch Menschen sterben, in Keller verschleppt und gefoltert werden und sich die Theater-Regierungen zumindest in Lugansk politisch gegenseitig mit Autobomben bekämpfen, während in Donezk eine reinrassige Diktatur durchgezogen wird, ist eigentlich ein Verbrechen!

Angesichts der tatsächlich zu vermutenden Opfer, kann man nicht einfach bis zum Ende der Syrienkrise warten und hoffen, dass sich der Westen dann mit dem Kreml auf eine irgendwie gütliche Beilegung des fortgesetzten Ukraine-Krieges einigen.

Der Skandal liegt vor allem darin, dass die Ukraine derzeit einem geopolitischen Patt zwischen dem Westen und Russland geopfert wird. Ein Skandal der nicht dadurch kleiner wird, dass die Medien darüber nicht mehr berichten.

Weder Putin noch Obama kommen aus diesem Skandal sauber heraus

Dieser Skandal wird eher größer werden, wenn am Ende herauskommt, wieviel Zerstörung und wie viele Tote dieser Konflikt zwischen West und Ost tatsächlich verursacht hat. Sowohl Putin, als auch Obama, die bei dieser Eskalation ihre Finger im Spiel hatten und haben, als auch ihre Scharfmacher, von denen ich hier nur Hilary Clinton mit ihrer Seilschaft, aber auch die wesentlich verborgener agierende russische Geheimdienstelite und ihre militärischen Pendants erwähnen will, gehören für das Unheil, das sie über die Ukraine gebracht haben vor Gericht!

Leider gibt es kein Weltgericht, das diese Leute bestrafen wird, solange sie über atomare Waffenarsenale verfügen, die für einen mehrfachen Overkill geeignet sind.

Man kann nur auf die Wähler hoffen und auf Gott

Aber es gibt zwei Instanzen, die dennoch eine Strafe für die Tötung eines Landes und seiner Bevölkerung verhängen können.

Die Wähler und Gott!

Die Wähler können im Herbst gern bei Hilary Clinton anfangen und sie gegen einen unschuldigen Idioten verlieren lassen und zugleich bei den russischen Parlamentswahlen, bei denen sie Putins Partei „Einiges Russland“ abwählen könnten.

Gott wird dann irgendwann später den Rest besorgen. Mehr kann ich mir, in meiner ohnmächtigen Wut, leider nicht vorstellen!