Gedöchtnisbüro Berlin

Wie so oft bei Verbrechen, muss man sich die Wahrheit mühsam erkämpfen, aus einzelnen Indizien zusammensetzen und hoffen, dass man nicht weit daneben gelandet ist.

Nicht weit daneben gelandet sind die Granaten eines amerikanischen Kampfflugzeuges das fast eine halbe Stunde über dem Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus kreiste und einen Angriff nach dem anderen flog.

Die Amerikaner hatten die Koordinaten der Klinik mit der Bitte bekommen, diese nicht zu beschießen. Beschossen haben sie dennoch und mindestens 19 Menschen getötet, darunter auch Ärzte der Organisation die das Krankenhaus aus Spendengeldern für die Bevölkerung in Kundus aufgebaut hat.

Die Amerikaner bedauern den Vorfall und gehen von einem Unfall aus. Stimmt das?

Kurz nach dem Angriff äußerte ein Sprecher der afghanischen Regierung, dass sich in der Klinik 10-15 Taliban-Kämpfer verschanzt oder versteckt hatten. Ein erstes Indiz.

Das Flugzeug ließ trotz intensiver Proteste der Organisation von seinem Angriff nicht ab, der etwa über 30 Minuten wiederholt vorgetragen wurde. Zweites Indiz.

In der Nähe befand sich eine amerikanische Spezialeinheit, die sich in einem Schusswechsel mit Taliban-Kämpfern befand und Luftunterstützung angefordert hatte. Die Frage ist, ob diese Gis die Koordinaten des Krankenhauses als Ziel angegeben hatten? Fragliches Indiz.

Im Augenblick spricht mehr für eine gezielte Bombardierung, in der Meinung, im Krankenhaus befänden sich Taliban-Milizen, als für ein Versehen.

Die weiteren Ermittlungen müssen abgewartet werden. Besser ausgedrückt, müssen die Ermittlungen vorangetrieben werden.