Greta

Greta Thunberg während ihrer Rede vor der UN (Screenshot-ARD)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Man muss kein Fan von Greta Thunberg sein, um zu verstehen, was sie mit ihrer kompromisslosen Rede auf dem UN-Klimagipfel richtig gemacht hat.

Man kann sagen was man will. Greta Thunberg hat die Gemüter erregt und sie ist derzeit mindestens so bekannt, wie Rudi Dutschke in seiner besten Zeit. Wahrscheinlich ist sie bekannter.

Kompromisslose Darstellungen von komplexen Sachverhalten, ziehen immer, insbesondere dann, wenn sie mit einer Systemkritik verbunden sind, die sich gewaschen hat. Rudi Dutschke war so ein Beispiel und hat ähnlich viel Hass auf sich gezogen, wie jetzt Greta Thunberg. Am Ende starb er dann an den Folgen eines Attentats auf ihn.

Dieses Schicksal bleibt Greta hoffentlich erspart, obwohl sie ähnlich wie Dutschke einen Stil gewählt hat, der kein Auge trocken lässt. In dieser Stilform lässt man sich nicht relativieren und erklärt die eigene Position, mit der gehörigen Portion Emotion, zur absoluten Wahrheit. Mehr noch, man schiebt diejenigen, die nicht hundertprozentig auf der eigenen Seite stehen, in die Position einer absoluten Unwahrheit, erklärt sie eigentlich zu Heuchlern und Lügnern.

Ein ziemlich totalitärer Stil, zugegeben.

Das ist der Stil, mit dem man Revolutionen lostreten kann und das haben Dutschke und Thunberg gemeinsam. Die vielen Versuche, das Klima-Mädchen nun zu relativieren, sind auch aus der Angst heraus motiviert, dass dieser Revolutionsstil verfangen könnte.

Eine Klimarevolution, die vermutlich sehr viel schlimmere und gravierendere Folgen für die Menschen hätte, als der schlimmste, vorstellbare Klimawandel selbst (Am Ende könnten CO2-Rechte an Bürger verkauft werden und wer es sich nicht leisten kann, muss leider gehen. Ähnliche Szenarien werden bei den Grünen diskutiert), wird wohl nicht stattfinden.

Aber die Angst vor einer solchen Revolution steckt den Leuten jetzt in den Knochen und das führt vielleicht dazu, den Klimawandel ernster zu nehmen. Die Bundesregierung hat ja schon angekündigt, das Klimapaket nachzubessern. In Amerika solidarisieren sich derzeit immer mehr Menschen mit der Klimabewegung und sogar Putin beeilt sich, zu sagen, dass Russland die schlimmste Erwärmung auf seinem Staatsgebiet (Sibirien) bewältigen muss. Es gibt also Bewegung zumindest in den Köpfen der Politiker.

Also warum, angesichts einer Trendwende, die eher den Klimawandel unter “Tales of Mystery and Imagination” ablegen möchte, nicht mit einer Klimarevolution drohen? Genau das hat Greta Thunberg vor der UN getan.

Effektiv ist das!