Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft war  ein Think-Tank mit Sitz in Berlin, der sich Gedanken darüber machte, wie der europäische Binnenmarkt unter der Führung Deutschlands ökonomisch strukturiert sein sollte. Mitglieder dieses Binnenmarktes sollten neben Deutschland, Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen und Frankreich sein. Im Südosten Europas sollte Belgrad die Funktion des heutigen Brüssels übernehmen und zur Hauptstadt des Balkans avancieren. Italien und Spanien würden dem engsten Kreis der Mitgliedsstaaten angehören, aber auch die Schweiz. Dieser ungewöhnliche paneuropäisch denkende Think-Tank hatte den Plan Europa umzubauen und die Schweiz spielte eine Schlüsselrolle. Sie sollte um Teile Frankreichs erweitert werden, während andere Teile Frankreichs an Deutschland fallen sollten.

Schon erraten?

Die  GeWG war eine Institution der Nazis und wurde 1939 gegründet, um ein neues, von Deutschland geführtes Europa zu schaffen. Die Nazis wollten die europäische Einigung unter Führung Deutschlands.

Irgendwie schien diese Idee Durchschlagskraft zu besitzen, denn eine europäische Einigung unter Führung Deutschlands ist nach wie vor die Idee der europäischen Eliten und ein bisschen ist es auch schon der Status quo.

Ganz besonders die europäischen Föderalisten streben ja einen europäischen Gesamtstaat an und lieben es deshalb mit Berlin zu flirten. Namhafte NGOs mit diesem Ziel sind die Spinelli-Group, das Jaques Delors Institut, European Movement, Friends of Europe und so weiter. Auch En Marche von Macron liebäugelt mit einem Europäischen föderalen Staat, will dafür aber nicht Frankreich zerschlagen, wie es die Nazis wollten. Besonders engagiert sind jedenfalls viele Grüne und Europäische Sozialdemokraten, sowie die europäischen Liberalen (ALDE). Mäzen und Unterstützer dieser „Super-Idee“ ist unter anderem George Soros.

Der Größenwahn lässt schön grüßen

Zum Glück ist es noch nicht so weit, dass wir uns in eine deutsch geführte europäische Staatlichkeit schicken müssen. In unserer Verfassung allerdings haben wir Deutschen ganz besonders den Auftrag zur europäischen Einigung erhalten. Damals allerdings unter dem Eindruck des deutschen Größenwahns von 1933 bis 1945. Die Einheit Deutschlands sollte deshalb nach dem Willen der Väter des Grundgesetzes nur im Rahmen eines europäischen Einigungsprozesses möglich werden. Das war allerdings so gedacht, dass Europa sich einigt und dann Deutschland wiedervereinigt und nicht so, dass Deutschland erneut versucht Europa zu einigen.

Wir Deutschen sitzen in einem Rollen-Dilemma, dass uns ziemlich nah an die Nationalsozialismus heranrückt. Wir sind nämlich wieder diejenigen, die eine europäische Führungsrolle haben sollen. Das hat nach 1945 wirklich niemand gewollt.

Auch wenn unser heutiger Größenwahn im Unterschied zu dem Hitlers invers ist, also eher ein Europa ohne deutsche Mentalität und Dominanz anstrebt, bleibt es ein Größenwahn – wenn er sich auch nur in dem Gefühl der Verantwortlichkeit für Europa als stärkste europäische Wirtschaftsmacht ausdrückt.

Wenn unsere Eliten, gerade auch die Wirtschaftseliten weiter an Deutschland, als Motor und Gestalter der europäischen Einigung arbeiten, muss unsere Bevölkerung zwangsläufig ihre Identität an den Nagel hängen. Denn ein neues Europa darf nicht mit einer deutschen Identität versehen sein-das wäre Nationalsozialismus 2.0. Wenn Deutschland aber in der Führungsposition ist, kann es keine eigene Identität mehr behalten, es muss eine Art europäischen Mimikry veranstalten, in dem alles, was Deutsch ist, versteckt wird.

Wie soll das gehen?

Wir haben uns doch schon zu nüchternen Ökonomen entwickelt, denen schon der Begriff Vaterland anrüchig ist. Sollen wir noch unsere Sprache aufgeben? Sollen wir tatsächlich unsere Bevölkerung so lange mit Zuwanderung aus aller Welt durchmischen, bis eine deutsche Führungsrolle im Europäischen Einigungsprozess eines Tages nicht mehr anrüchig ist?

Als Deutscher, der irgendwie deutsch bleiben will, seine Kultur, seine Sprache und seine Werte pflegen möchte, kann man sich nur zweierlei wünschen. Entweder ein anderes Land übernimmt die unbestrittene Führungsrolle in Europa oder wir lassen es einfach sein mit der politischen Union.

Am Ende sind die Reden der Proeuropäer, die uns unter Druck setzen sollen, mehr Dampf zu machen, ohnehin nur reiner Größenwahn. Europa soll die globale Führungsmacht werden, Asien würde nicht schlafen und die USA auch nicht. Es sind Reden, die uns Angst machen sollen, in einer globalisierten Welt überrollt zu werden, nichtig zu sein.

Das wiederum erinnert stark an die Nazis, welche die arischen, europäischen Völker ja ebenfalls von allen Seiten bedroht sahen. Die Frage also, welche Farbe die europäische Einigung haben wird, erscheint aus dieser Perspektive keinesfalls restlos geklärt.

Wir dürfen anfangen, uns zu fürchten.