Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Was ist eigentlich das Gute an Ausländern? Die Antwort lautet: „Nichts, außer sie haben Geld dabei.“ Eigentlich kein deutscher Spruch, weil wir kein klassisches Touristenziel sind, aber in ganz Europa gängig, also auch bei uns?

Natürlich nicht! Wir sind gastfreundlich und geben den Leuten Geld, wenn sie keines haben oder noch welches brauchen oder so tun, als würden sie noch welches brauchen. Das stimmt nicht ganz, denn sogenannte Drittstaatler, die einreisen wollen, müssen nachweisen, dass sie genug Geld für ihren Aufenthalt haben. Man muss bei uns schon “Sesam öffne Dich” rufen, um Geld zu bekommen. Das machen auch viele.

Als ich Anfang der Achtziger nach Spanien eingereist bin, wurden unsere Barschaften an der Grenze kontrolliert. Wenn es zu wenig war, mussten wir umkehren oder aber unser Geld bei der Grenzpolizei lassen. Auch eine Art von “Sesam öffne Dich”, nur eben lukrativer für das Land, als unsere Asylregelungen.

Was ist das Gute an Ausländern, außer sie haben Geld dabei?

Es gibt eigentlich kein Land auf der Welt, das Ausländer per se gut findet. Nicht einmal wir finden das, obwohl wir finden, dass wir Ausländer per se gut finden müssten. Etwas kompliziert vielleicht.

Wer findet in Deutschland eigentlich Ausländer gut (außer sie haben Geld dabei…den Nachsatz spare ich mir im Weiteren)?  Nicht einmal die Ausländer finden Ausländer gut. Die Türken beispielsweise finden die Araber nicht gut und schon gar nicht die Afrikaner. Seit die Zeit unserer romantischen Zweisamkeit (wir und die Türken) vorbei ist, werden auch die Türken in Deutschland immer ausländerfeindlicher. Sie haben nämlich festgestellt, dass viele Ausländer kein Geld dabei haben und sich trotzdem nicht benehmen können. Das führt durchaus zu Spannungen, wie die Flüchtlingswelle gezeigt hat.

Es wird aber mit unserer türkischstämmigen Bevölkerung noch etwas komplizierter. Neuerdings mag man auch deutsche Ausländer nicht mehr, weil die verlottert sind und keine Kultur haben, wie wir sinngemäß auch kürzlich von unserer Integrationsbeauftragten vernehmen durften. Man hält sich in der Community nicht nur von uns fern, sondern möchte uns auch am liebsten hinterherrufen: „Ausländer raus, auch wenn ihr Deutsche seid!“

Aber wie kommt es, dass Deutsche in den Augen vieler türkischstämmiger Deutscher aber auch vieler Türken plötzlich Ausländer sind? Kennen Sie das Youtube-Video, in dem ein deutscher Angestellter in einem türkischen Unternehmen in Berlin sich schämt, weil er kein türkisch lesen kann? Der Lacher in der Community schlechthin und diverse Male angeklickt. Zumindest kennt man die Satire von Anke Engelke, in der eine deutsche Schulklasse endlich richtig Deutsch lernen darf. Deutschland heißt dann natürlich nicht mehr Deutschland, sondern Schweinefresserland. Sehr komisch und auch so wahr!

Man könnte sagen, dass Deutsch-Türken die komplizierteste Form von Ausländerfeindlichkeit (es sei denn, jene haben Geld dabei) leben. Deshalb lieben viele Deutsch-Türken auch Erdogan so sehr. Er gibt ihnen das Gefühl, dass überall wo Türken sind, auch die Türkei sein muss. Der absolute Kontrapunkt zu Anpassung und die Aufforderung, die Länder in denen Türken leben gefälligst zu erobern – zuvorderst Deutschland natürlich.

Momentmal, das hatten wir doch schon. War es nicht Putin, der sagte, dass überall wo Russen leben, auch Russland ist? Nein, so hat er das nicht gesagt. Eher in dem Sinne, dass Russland eine Schutzverantwortung auch für seine Staatsbürger im Ausland hat (mit Blick auf die baltischen Staaten, die Krim und auch auf Deutschland?).

Diese Einstellung ist natürlich interpretierbar. Nimmt Erdogan, der in Deutschland Wahlkampf betreibt und seinen MIT kräftig unter die türkischen Gemeinden gemischt hat, nebenbei auch seit Jahren die Religionsausübung der türkischen Gemeinden in Deutschland mit seinem Religionsministerium organisiert, lediglich seine Schutzverantwortung wahr?

Was passiert eigentlich, wenn sich Deutsche und Deutsch-Türken uneinig werden und es Keile gibt? Müssen wir dann mit einer militärischen Intervention Erdogans rechnen?

Vor einigen Jahren habe ich einmal einen Artikel geschrieben, der eindeutig als Satire durchging, nur nicht bei den Russen. Dort wurde er als unverschämte Unterstellung interpretiert. Anlässlich der Übernahme der Krim durch die grünen Männchen habe ich vor der Übernahme Berlins durch russische Staatsbürger im Schläferstatus gewarnt und die Behauptung aufgestellt, dass schließlich jeder Russe eine Kalaschnikow im Kofferraum hat.

Das wurde ernst genommen – von den Russen!

Damals dachte ich, dass die Russen nur keine Satire verstehen. Heute aber bin ich klüger. Ich denke, dass die Russen einfach nur nach ihrem typischen Muster dementiert haben und in Wirklichkeit selbstverständlich Kalaschnikows im Kofferraum haben, damit sie irgendwann Deutschland übernehmen können.

Man muss deshalb bei Ausländern mit allem rechnen, weil sie ihre eigenen Maßstäbe und ihr eigenes Mind-Set garantiert und unverfälscht mit nach Deutschland bringen und es für das Maß aller Dinge halten. Für unsere deutsche Denkweise interessieren sie sich allein deshalb nicht, weil wir ja ohnehin ehemalige Nazis sind und Schäferhunde lieben. Das ist bei Spaniern und Portugiesen so, bei Russen und Italienern und Griechen, bei Polen und natürlich bei unseren engsten Verbündeten, den Türken.

Dabei sind Spanier und Griechen gerade mal aus ihren Diktaturen herausgekrochen, die Türken schlittern mit Vollgas in eine islamistische Diktatur, die Russen leben einen autokratischen und selbstgerechten Großmachttraum, während die Polen in einen religiösen Nationalismus abtauchen. Also alles sehr, sehr liberale Denkweisen, oder?

Das einzige, das wir Deutsche ihnen zu Gute halten können, ist, dass es sich hier ja schließlich um Ausländer handelt. Jetzt kommt es: Nur um Ausländer handelt. Denn in Wirklichkeit ist unser unendlich toleranter Umgang mit Ausländern und solchen mit Migrationshintergrund von grenzenloser Arroganz geprägt.

Wir bilden uns nämlich ein, dass wir diese Leute nicht ernst nehmen müssen, dass die sich schon früher oder später an unsere Staats-Denke anpassen und gute Deutsche werden.

Warum denn in drei Gottes Namen?

Sind wir in deren Augen so toll, ist unser Staat so genial?

Sicher nicht, ganz sicher nicht!

Für unsere Ausländer sind und bleiben wir Ausländer und werden nur so lange akzeptiert, wie wir Geld dabei haben. Punkt.

Wir sind Konkurrenten in einem Lebensraum, aus dem sie uns nur noch nicht verdrängt haben. Das ist alles.

Schreit nur! Es stimmt trotzdem.