21042015518

Foto: Gedächtnisbüro 2015

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro-Berlin

Allerdings wissen die meisten nicht, wie fremd die Amerikaner uns eigentlich sind. Trotz Hollywood und Chesseburgern, die kulturellen Unterschiede zwischen Europäern und Amerikanern sind gewaltig!

Das letzte Jahr der Ukraine-Krise hat vor allem eines gezeigt. Die Amerikaner sind sich dieser Unterschiede wesentlich stärker bewusst, als die Europäer. Sie nutzen die Arglosigkeit europäischer Regierungen, um Konflikte innerhalb der EU zu schüren, ebenso wie solche mit den europäischen Nachbarn. Im Falle der Ukraine Krise, war es vor allem der Druck aus Washington, der die Lage in der Ukraine massiv verschärft hat und zu dieser hohen Zahl von Todesopfern führte.

Den NSA-Skandal haben unsere „Freunde“ jenseits des Atlantiks bis heute nicht verstanden. Rein intellektuell ist der Obama-Administration zwar bewusst geworden, dass ihre globalen Abhöraktionen und die ungehemmte Datensammelwut inzwischen zum roten Tuch für alle Europäer geworden ist, aber emotional können sie da nicht mit.

Sie sammeln einfach weiter, weil sie nicht glauben können, dass irgendein zivilisiertes Volk Zweifel an der Auserwähltheit der Amerikaner hegen könne, welche natürlich mit Sonderrechten einhergehen müsse. Diese Hybris der Amerikaner hat sehr wahrscheinlich etwas mit einem Brainwash in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen dort zu tun. Der Narzissmus, welcher dort den Kindern eingeimpft wird, ist gewaltig. Zu sehen in jeder Serie, die zu uns herüberschwappt, in der die Hybris schon der Kleinsten bis aufs äußerste gereizt wird. Während bei uns Naturverständnis und soziales Leben in Kinderfilmen dominiert, kommt aus Amerika der größenwahnsinnige Kleine (z.B. Timmy Turner), der nichts weniger, als die Welt beherrschen will.

Das End of Dose-Phänomen einer solchen amerikanischen Sucht nach dem eigenen Ego ist nicht selten der Amoklauf. Die Europäer haben das nicht annähernd so oft nötig, sie erziehen ihre Kinder zu mehr Understatement und Bescheidenheit. Das Resultat ist allerdings auch eine unterlegene Aggressivität der Europäer, nicht nur gegenüber den Amerikanern, sondern auch den Russen gegenüber, die ihre Kinder bekanntermaßen aggressiv erziehen. Spitzenreiter im Aufblasen von unschuldigen Kindern, sind allerdings die Länder der arabischen Welt, insbesondere, wenn es um die Jungen geht, die mit der gereizten Psyche eines verkannten Prinzen durch das Leben laufen.

Wie auch immer.

Wir verstehen die Araber nicht und die Russen, was durchaus allgemein anerkannt ist. Aber wir verstehen eben auch die Amerikaner nicht, welche mindestens genauso weit von unseren humanistischen Idealen entfernt leben, wie Russen und Araber, wenn man das mal so grob skizzieren darf. Die Amerikaner hacken Dieben zwar keine Hände ab, aber die Todesstrafe möchten sie gern behalten, obwohl die gesamte zivilisierte Welt eine solche ablehnt. Sie steinigen zwar keine Frauen, aber gerade wurde die Lehrerin Jennifer F. in Florida zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie einvernehmlichen Sex mit drei Siebzehnjährigen hatte. Das gilt in den USA als Vergewaltigung, zumindest in Florida.

Interessant an diesem Fall ist, dass sich ausgerechnet in Russland eine Protestbewegung in den sozialen Netzen gegen diese überharte Rechtsprechung formiert hat und den Amerikanern doppelte Moral vorwerfen. Das ist was dran! Auch wenn die Amerikaner dies selbst überhaupt nicht so sehen und es auch keine Bürgerinitiative und keine Bürgerrechtsbewegung gibt, die sich für solche Opfer der Justiz einsetzt. Ganz im Gegenteil hat sich Jennifer F. zuletzt selbst zur Schwerverbrecherin erklärt, weil sie wohl keine andere Chance sah. Sie fand ihre Taten unaussprechlich und zerfloss in Reue. Kein vernünftiger Europäer kann so etwas verstehen, außer vielleicht irgendwelche Sektenmitglieder. Aber die Amerikaner sind ja, auch das ist befremdlich, zu einem großen Teil Mitglieder irgendeiner Sekte oder abgespaltenen Religionsgemeinschaft.

Interessant ist aber doch der deutsche Umgang mit diesen Barbaren, welche wir leider wegen des deutschen Faschismus seit den vierziger Jahren hier in Europa in dominanter Position akzeptieren müssen. Auch bei den absonderlichsten und unverständlichsten Verhaltensweisen dieses Volkes, wie beispielsweise eine junge Frau, die Sex mit Siebzehnjährigen hatte zu zwei Jahrzehnten Zuchthaus zu verurteilen. Es finden sich gleich eine ganze Reihe von Befürwortern dieser perversen Rechtsprechung, die vor allem die russischen Proteste, die eigentlich einem angemessenen moralischen Empfinden entsprechen, als „Macho-Reaktion“ diskreditieren.

Dies führt mich eigentlich direkt zur zweiten These, die jedoch einen eigenen Artikel wert ist. Wir verstehen nicht nur die Amerikaner nicht, ohne dass wir uns das bewusst machen und darüber nachdenken, dass wir eigentlich keine gemeinsame Wertebasis mit den USA haben. Viele hier verstehen auch sich selbst nicht, was noch viel schlimmer ist, weil sie dann dazu tendieren, dominante Verrückte jenseits des Atlantiks, aber auch in Russland als Maßstab für die eigene Identität zu nehmen.

Diese Identitätskonfusion der Europäer ist vollkommen unnötig und rührt allein daher, dass sich die Europäer ein eigenes Selbstbewusstsein verbieten, obwohl sie die humansten gesellschaftlichen Strukturen der Welt ausgebildet haben, mit denen sie sowohl den Amerikaner, als auch den Russen weit überlegen sind.

Warum also dieser Hang, die Radikalität der einen oder anderen Großmacht auch noch rechtfertigen zu wollen?

Dieses Psychogramm der Europäer steht noch aus.