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Grafik: Logo des IOC

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Dopingsperre für Russland. Sport folgt einmal mehr der Politik?

Die russischen Leichtathleten dürfen also nicht an der Sommer-Olympiade in Rio teilnehmen. Das IOC und sein Sportgericht haben aber kleine Lücken für russische Sportler geöffnet, die nachweisen können, dass sie mit dem systematischen Doping des russischen Leichtathletik-Verbandes nichts zu tun und gewissermaßen ehrlich trainiert haben.

Im juristischen Jargon nennt man diese Vorgehensweise „Beweislastumkehr“, ein Verdächtiger muss seine Unschuld beweisen, es gilt also nicht mehr die Unschuldsvermutung. Gegenüber einem ganzen staatlichen Verband, wie dem russischen, kann man das auch als „Kollektivstrafe mit Beweislastumkehr“ bezeichnen. Für unser rechtsstaatliches System eigentlich ein „Nogo“!

Nun ist das IOC nicht Deutschland und Sportgerichte funktionieren etwas anders als ordentliche Gerichte. Dennoch darf man einmal nachdenken, was hier geschehen ist.

Staatliches Doping gibt es seit Sowjetzeiten in allen Ländern, die zur Sowjetunion gehörten oder ihren Satelliten-Staaten, bekanntermaßen auch in der DDR. Überall in der westlichen Welt wurde „privat“ gedopt. Der Begriff privat ist für unsere westlichen Doping-Agenturen aber vielleicht etwas zu euphemistisch, man könnte eher von halbstaatlichem Doping sprechen. Studien, wie die August 2013 veröffentlichte, Untersuchung einer Forschergruppe der Berliner Humboldt-Universität haben das für die Zeiträume von 1970 bis 1990 nachgewiesen. Nur, dass die Wissenschaftler von systematischem Doping und nicht von halbstaatlichem Doping sprechen, von dem man in Wirklichkeit reden müsste. Kaum vorstellbar, dass die offiziellen Sportverbände keine Ahnung von Doping-Methoden ihrer Spitzensportler hatten. Wenn bereits hohe deutsche Sportfunktionäre im Verdacht standen, Doping im eigenen Verband verschleiert oder zumindest nicht verfolgt zu haben, wie bei Willi Daume anzunehmen war, dann können wir schon von einem Dopingskandal auf der Ebene des Nationalen Olympischen Komitees sprechen. Ausgeschlossen aber wurden deutsche Sportverbände von den Olympischen Spielen  zu keiner Zeit!

Systematisches Doping ist auch seit der Jahrtausendwende in Deutschland immer wieder nachgewiesen worden. Bei den Radsportlern, bei Leichtathleten und vor allem bei den Reitern. Das Sündenregister ist lang. Auf internationale Ebene muss man überhaupt nicht gehen, um zu erkennen, dass halbstaatliches und staatliches Doping globale Phänomene sind.

Warum nun Russland in der heutigen Zeit ausgerechnet eine so drakonische Kollektivstrafe bekommt, kann sich jeder selbst überlegen.

Angesichts der politischen Großwetterlage darf man den Verdacht haben, dass es hier einmal wieder mehr um politisches, als um sportliches Kalkül geht.

Das zweite große Problem des Sports, nach dem Doping, ist nämlich die Politik!